
Bei einem offenen Ductus Botalli handelt es sich um eine Gefäßverbindung zwischen Lungenschlagader und Hauptschlagader (Aorta), wodurch das Blut vor der Geburt ohne die Lunge, die dann noch nicht entfaltet ist, zu passieren, in die Hauptschlagader gelangt. Normalerweise verschließt sich die Gefäßverbindung nach der Geburt, bleibt aber bei einigen Menschen offen. Einmal offen, kann sich die Verbindung durch den ständigen Blutfluss erweitern, sodass auch im Erwachsenenalter große Mengen Blut, jetzt jedoch von der Hauptschlagader in die Lungenarterie gelangen, wodurch das Lungengefäßsystem überlastet wird.
Ein schwerer Lungenhochdruck und eine fortschreitende Leistungsschwäche sind die Folge. Der Verschluss eines offenen Ductus Botalli ist dann angezeigt, wenn ein bedeutsamer Blutfluss (Shuntvolumen) ab 50 % des minütlich vom Herzen geförderten Blutvolumens besteht.
Der Zugang erfolgt über die rechte Beinvene in der Leiste. Mit einem speziell geformten Katheter (Multipurpose-Katheter) wird dabei der Ductus Botalli in der Lungenschlagader unter Röntgendurchleuchtung aufgesucht. Die erfolgreiche Sondierung des Ductus Botalli wird durch einen Drucksprung und der damit einhergehenden Veränderung der Druckkurve angezeigt. Nach erfolgreicher Passage wird eine Röntgenkontrastdarstellung der Hauptschlagader einschließlich des Blutflusses im Ductus Botalli bis in die Lungenschlagader vorgenommen. Anschließend wird ein langer Draht bis weit in die Hauptschlagader vorgeschoben und der Katheter entfernt. Über den Draht wird nunmehr eine lange Schleuse über den rechten Vorhof, die rechte Herzkammer, die Lungenschlagader bis in die Hauptschlagader vorgeführt und der Draht entfernt. Je nach Größe und Form des Ductus Botalli, die anhand der Kontrastdarstellung bestimmbar ist, wird ein Verschlusssystem ausgewählt. Dabei kommen Spiral- oder Schirmchensysteme in Betracht. In der jüngsten Vergangenheit haben sich bei Erwachsenen zunehmend Schirmchensysteme durchgesetzt.
Dabei wird das System in die lange Schleuse eingeführt und der erste Schirmanteil in der Hauptschlagader geöffnet. Das System wird anschließend mit der Schleuse an den Austritt des Ductus Botalli aus der Hauptschlagader herangezogen bzw. durch den Druck in der Hauptschlagader herangedrückt und der Stent, der den Ductus auskleidet, entwickelt, sodass der Ductus Botalli verschlossen ist. Dabei besteht eine doppelte Sicherung, da der Druck in der Hauptschlagader den Schirmanteil an die Wand drückt und der Stent sich im Ductus verkeilt.
Nach abschließender Röntgenkontrastdarstellung der Lungenarterie über die liegende Schleuse wird das Führungskabel abgelöst. Bei der Implantation kann die zusätzliche Sicht mittels Schluckecho (transösophageale Echokardiografie) hilfreich sein, ist aber nicht zwingend erforderlich. Nach Implantation erfolgt eine Gabe von 300 mg Clopidogrel, eine vorbeugende intravenöse Antibiotikagabe, damit sich keine Bakterien festsetzten können, sowie die Gabe von Heparin mit einer Dosis von 12 - 15 i. E./kgKG/h über 24 h. Während der folgenden 3 Monate wird 75 mg Clopidogrel/ d und für 6 Monate nach der Intervention Aspirin®‚ 100 mg/d verordnet. Eine Röntgenkontrolluntersuchung am Tag nach der Intervention und eine Kontrolluntersuchung mittels Schluckecho nach 6 Monaten empfiehlt sich. Alternativ kann ein solcher Verschluss auch operativ durchgeführt werden.
| Autor -
Dr. med. T. Bartel |
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