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Prof. Dr. med. H.-J. Schmoll |
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Die Entwicklung der Tumortherapie über die letzten 3 Jahrzehnte war gekennzeichnet durch beeindruckende Verbesserungen für die betroffenen Patienten. Seit den 70er und 80er Jahren wurden zahlreiche neue Zytostatika entwickelt, die direkt in den Proliferationszyklus von gesundem Gewebe und Krebszellen eingreifen. Die Strahlentherapie hat durch eine genauere Zielplanung und die Einführung wirksamerer Strahlenquellen eine effektivere Behandlung des Tumors ermöglicht. Die Chirurgie und Mikrochirurgie konnte auf dem Gebiet der Metastasenresektion und der Neurochirurgie deutliche Fortschritte erreichen.
Im Bereich der Internistischen Onkologie hat die Einführung von direkt gegen die Tumorzellen gerichteten Medikamenten zu einer eindrucksvollen Verbesserung der Therapieergebnisse geführt: sei es über einen immunologischen Mechanismus, über gegen Oberflächenstrukturen der Krebszellen gerichtete Antikörper oder über direkte Modulation der Signaltransduktion in der Tumorzelle durch sogenannte „kleine Moleküle“.
Für den Patienten ist entscheidend, dass viele noch in den 80er Jahren als unheilbar geltende Tumorerkrankungen mittlerweile heilbar sind; auf der anderen Seite konnten viele bösartige, unweigerlich zum Tode führende Krankheiten durch die neuen Therapieverfahren in „chronische Erkrankungen“ mit zum Teil langfristigen Verläufen überführt werden.
Durchgreifende Verbesserungen der Therapieergebnisse konnte im wesentlichen aber auch durch eine enge interdisziplinäre Kooperation der beteiligten Fachdisziplinen erreicht werden. In interdisziplinären Tumorboards, wie sie bisher bereits als sogenannte „Brustzentren“ oder „Darmzentren“ vielerorts bestehen, werden alle neu aufgetretenen Erkrankungsfälle zwischen Spezialisten der einzelnen Fachdisziplinen diskutiert und der für den Patienten Erfolg versprechende Behandlungsweg festgelegt. Durch ein derartiges integriertes Therapiekonzept können die Vorteile der jeweiligen Behandlungsmodalität – chirurgische Therapie, Strahlentherapie und Chemotherapie – optimal ausgenutzt und die beste Therapiesequenz festgelegt werden. Eine weitere, wesentliche Verbesserung der Behandlungsergebnisse konnte erreicht werden durch eine Standardisierung der Therapie, eine entsprechende Dokumentation der Behandlungen und ihrer Komplikationen und durch den Vergleich dieser standardisierten Behandlungsverfahren mit der jeweils neuartigen Behandlungsmethode. Dies erfolgt regelmäßig in so genannten „Therapiestudien“ für die großen „Killer-Tumoren“ wie Darm-, Brust- und Lungenkrebs, aber auch für Patienten mit seltenen Erkrankungen sind die Auswertung der Behandlungsergebnisse und die Anpassung neuer Therapieoptionen an den bisherigen Standard besonders wichtig.
In Anbetracht der vielen neuen Therapieoptionen erscheint gerade für Patienten mit onkologischen Erkrankungen der interdisziplinäre Erfahrungsaustausch zwischen Fachkollegen besonders bedeutsam. Aber auch der Dialog mit dem Patienten, seine Information und Aufklärung über verschiedene Therapieoptionen ist für den Erfolg dieser stark belastenden Behandlung, wie es die Tumortherapie vielfach ist, von entscheidender Bedeutung.
Der medführer „Krebs“ kann hier sicherlich eine gute Hilfe sein. Er kann Patienten über Behandlungsmöglichkeiten in seiner näheren Umgebung informieren. Dadurch ist die Kontaktaufnahme zu spezialisierten Zentren für die einzelnen ganz unterschiedlichen Tumorerkrankungen leichter möglich. Er möge aber auch zur Unterstützung des Erfahrungsaustausches zwischen den in der Onkologie tätigen Fachkollegen dienen, indem spezialisierte Abteilungen sich hier kurz vorstellen. Dadurch kann die Arbeit der Tumorzentren und der regionalen onkologischen Arbeitskreise unterstützt werden.
Die stete Verbesserung der Prognose von allen Tumorpatienten ist für alle Beteiligten eine bleibende Herausforderung. Angesichts der sich anbahnenden „Revolution“ in der Entwicklung neuer Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten besteht seit langem nun eine ernsthafte Hoffnung auf erheblich höhere Früherkennungs- und Heilungschancen.
Prof. Dr. med. Hans-Joachim Schmoll Direktor der Klinik Innere Medizin IV Onkologie-Hämatologie-Hämostaseologie |
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