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Prof. Dr. med. H-H. Eckstein |
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Arterielle und venöse Gefäßerkrankungen sind häufig und werden aufgrund der zunehmenden Lebenserwartung auch immer häufiger klinisch behandlungsbedürftig. So erfolgten im Jahre 2007 mehr als 270 000 Krankenhausbehandlungen bei Patienten mit arterieller Gefäßerkrankung im Bereich der Halsschlagadern, der Aorta oder der Becken-Beingefäße. Hinzu kommt eine steigende Anzahl von Diabetikern mit vaskulären Komplikationen im Bereich der unteren Extremitäten (sog. Diabetisches Fuß-Syndrom).
Ein weiteres wichtiges Tätigkeitsgebiet für die Gefäßchirurgie stellt die Varikosis dar, die unbehandelt als Spätkomplikation zum sog. „offenen Bein“ führen kann. Zur Behandlung der Varikosis werden in Deutschland ca. 300 000 Operationen pro Jahr durchgeführt, sei es als konventionelle OP oder als sog. endovenöses Verfahren (Schaumsklerosierung, Laser, Radiowellen-Therapie). Auch die Anzahl der Dialyse-Patienten steigt jedes Jahr. Gefäßchirurginnen und Gefäßchirurgen sind hierbei wichtige Partner der Nephrologie, um diesen Patienten einen stets funktionierenden arterio-venösen Zugang zu verschaffen. Man kann davon ausgehen, dass mind. 100 000 Eingriffe pro Jahr notwendig sind.
Therapeutisch stehen uns heutzutage neben den klassisch-operativen Verfahren endovaskuläre Therapien sowie eine deutlich verbesserte medikamentöse Primär-und Sekundärprävention zur Verfügung. Hinzu kommt eine mittlerweile nahezu optimale apparative Diagnostik mittels Ultraschall, Kernspintomographie und CT-Angiographie.
Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) hat im Jahre 2003 damit begonnen, interdisziplinäre Gefäßzentren zu zertifizieren. Ziel dieser Initiative war es, dafür Sorge zu tragen, dass in einem sog. Gefäßzentrum jederzeit vaskuläre Notfälle behandelt werden können, die Diagnostik auf höchstem Niveau angeboten wird und sämtliche therapeutische Verfahren in adäquater Häufigkeit und vor allen Dingen in hoher Qualität zur Verfügung stehen. Leitgedanke dieses Zertifizierungskonzeptes ist es, dem einzelnen Patienten eine individuell optimale Behandlung zukommen zu lassen. Hierzu müssen in einem Gefäßzentrum funktionierende Kommunikationsstrukturen und Behandlungspfade vorliegen. Seit zwei Jahren haben sich die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) und die Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA) diesem Projekt angeschlossen, seither können Gefäßzentren sich durch eine, zwei oder alle drei Fachgesellschaften zertifizieren lassen.
Die Gefäßchirurgie trägt seit einigen Jahren einen eigenen Facharzttitel innerhalb der chirurgischen Fächer. In der Gefäßversorgung spielt die Gefäßchirurgie eine zentrale Rolle mit mehr als 200 selbstständigen Abteilungen für Gefäßchirurgie und mehr als 400 Krankenhäusern mit aktiven Gefäßchirurgen/-innen. Ein Großteil der arteriellen und venösen Gefäßerkrankungen wird in gefäßchirurgischen oder chirurgischen Kliniken behandelt, wobei häufig enge Kooperationen mit den vaskulär aktiven Nachbarfächern wie der Diagnostischen und Interventionellen Radiologie, Angiologie, Kardiologie, Nephrologie, Diabetologie, Neurologie etc. existieren. Mindestens so wichtig wie eine gute Behandlung von Gefäßerkrankungen ist die rechtzeitige Erkennung. In diesem Zusammenhang sollte bei jedem Mann ab dem 65. Lebensjahr sowie allen Frauen und Männern mit arteriosklerotischen Begleiterkrankungen eine Ultraschall-Untersuchung der Bauchschlagader erfolgen.
Hierdurch kann mit hoher Zuverlässigkeit eine krankhafte Erweiterung (abdominales Aortenaneurysma bzw. AAA) frühzeitig erkannt werden. Aus großen Studien ist bekannt, dass durch Reihenuntersuchungen mit konsekutiver Behandlung großer Aortenaneurysmen die Rate an Aneurysma-Rupturen deutlich gesenkt werden kann. Neben dem abdominalen Aneurysma gibt es zwei weitere Bereiche, in denen Vorsorge sinnvoll ist. So weist eine Blutdruckmessung im Bereich der unteren Extremitäten (Dopplerdruck-Messung) auf das mögliche Vorhandensein einer klinisch bislang nicht erkannten generalisierten Arteriosklerose hin sowie eine gezielte Ultraschall-Untersuchung der Halsschlagadern auf ein mögliches Schlaganfallrisiko. Alle diese vaskulären Vorsorgeuntersuchungen sind gefahrlos durchführbar und in geübter Hand sehr zuverlässig.
Die vorliegende Neuauflage des medführers gibt Ihnen einen Überblick über Gefäßzentren und gefäßchirurgische Kliniken in Deutschland. Die Verfasser haben sich erfolgreich darum bemüht, diese Kliniken und Zentren transparent bezüglich ihres Behandlungsspektrums, der Krankenhausstruktur und der jeweiligen Qualität darzustellen.
Univ.-Prof. Dr. med. Hans-Henning Eckstein Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München |
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