| |
 |
 |
|
Das deutsche Gesundheitssystem gehört zu den besten der Welt. Es unterliegt einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Dieser muss insbesondere auf dem Gebiet der Transparenz und Qualitätssicherung stattfinden. Wer sich in unserem Land ein Auto kaufen will, ist über die charakteristischen Leistungs- und Ausstattungsmerkmale des künftigen Fahrzeugs im Allgemeinen bestens informiert. Demgegenüber weiß derjenige, der eine medizinische Behandlung benötigt, nur sehr wenig über das, was ihn erwartet. Die Meinungsbildung findet allerdings zumeist über subjektive Informationen durch Nachbarn, Freunde, Verwandte oder ärztliche Erstbehandler statt.
Das Internet spielt eine zunehmende Rolle. In der Folge wird das Leistungsangebot der modernen Medizin nicht adäquat genutzt. Dies ist auch und gerade auf dem Gebiet der Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems nachweisbar. Nicht umgesetzte Empfehlungen der prophylaktischen Medizin, nicht in Anspruch genommene Vorsorgeuntersuchungen usw. führen immer noch zu einer hohen, an sich reduzierbaren Zahl von akuten kardial bedingten Todesfällen. Hinsichtlich der Therapie von Aortenklappenerkrankungen sprechen wissenschaftliche Untersuchungen von einem Vorkommen von ca. 30 Prozent an Erkrankten, die trotz guter Heilungschancen nicht einer sinnvollen Behandlung zugeführt werden bzw. diese nicht in Anspruch nehmen. Bezüglich betagter Patienten gilt festzuhalten, dass achtzigjährige Frauen eine Lebenserwartung von ca. acht Jahren, Männer eine von knapp sieben Jahren haben. Unbehandelt versterben ca. 70 Prozent der Achtzigjährigen innerhalb von drei Jahren nach Symptombeginn, nach durchgeführtem Herzklappenersatz ist in fünf Jahren die Absterbequote der nicht erkrankten Normalbevölkerung erreicht.
Durch einen Behandlungserfolg können somit qualitativ wertvolle Lebensjahre gewonnen werden. Der Fortschritt der Medizin ermöglicht die Implantation so genannter Transkatheterklappen, optimalerweise in einem Hybridoperationssaal. Hier ist der Einsatz von Herzkatheter- und Operationsverfahren über die Leiste oder die Herzspitze unter Verzicht auf den Einsatz einer Herzlungenmaschine durchführbar. Dies bedeutet eine Erweiterung des Behandlungsspektrums um die Patienten, die früher als inoperabel abgelehnt worden waren. Hier gilt es, die Schwellenangst Betroffener durch Aufklärung über die modernen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten zu senken und die Erfolgsaussichten des jeweils gewählten Verfahrens darzulegen. Ebenso ermöglicht die zunehmend durchgeführte Rekonstruktion von Mitral- und Aortenklappen einen Verzicht auf einen Herzklappenersatz mit langfristig vermindertem Risiko. Minimalinvasive Verfahren tragen ihren Teil zur Risikosenkung bei.
Leistung ist messbar, dies gilt auch in der Medizin und ganz besonders für die Therapie der koronaren Herzerkrankung, also der Erkrankung der Herzkranzgefäße. Die interventionelle sowie die herzchirurgische Behandlung der verengten Koronararterien stellt eine beeindruckende Erfolgsgeschichte der modernen Medizin dar. Qualitätsparameter der neuzeitlichen Bypasschirurgie wären z.B. ein möglichst geringes Vorkommen von Komplikationen wie perioperativer Herzinfarkt, Schlaganfall, Blutbedarf, Infektrate, Beatmungszeit und Verweildauer auf der Intensivstation usw. All diese Messwerte sind zu erheben und auszuwerten, um das perioperative Risiko für die Betroffenen weiter zu senken. Zahlen, Daten und Fakten sprechen eine klare Sprache über Behandlungsmöglichkeiten, über Chancen und Risiken. Schwer messbar, aber ebenso unverzichtbar für einen Behandlungserfolg der Akteure im medizinischen Bereich sind persönliche Integrität, einwandfreies ethisches Verhalten und angemessene Zuwendung zum Erkrankten. Hierzu gehört auch Offenheit über Behandlungsergebnisse.
Nach unserer Meinung besteht eine eindeutige Bringschuld eines jeden Akteurs im Gesundheitswesen für Transparenz medizinischer Leistungen. Das MediClin Herz- zentrum Lahr/Baden hat daher seit Beginn seiner Tätigkeit auch die Ergebnisse der Herzchirurgie offenbart, zunächst in Form von Jahresberichten, dann nach Online-Stellung auf der Klinik-Homepage auch durch die Veröffentlichung der Daten, die von der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung erhoben wurden. Diese Offenheit der medizinischen Vorgehensweise hat erheblich zur überregionalen Vertrauensbildung in unser Krankenhaus beigetragen. Hier weitere Empfehlungen für Betroffene auszusprechen, hat sich der medführer zur Aufgabe gemacht. Durch den Hinweis auf qualitativ hochwertige medizinische Leistung in ausgewiesenen Institutionen trägt der medführer zur Hebung des medizinischen Versorgungsniveaus in Deutschland bei und verdient hierfür unsere besondere Anerkennung und unseren Wunsch für eine weite Verbreitung.
Prof. Dr. med. Jürgen Ennker Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie an dem MediClin Herzzentrum Lahr/Baden |
|