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Harninkontinenz - Hintergrund / Einleitung

Harninkontinenz


Harninkontinenz bedeutet, dass Urin unkontrolliert und unfreiwillig aus der Blase abgeht. Ab 60 Jahren klagt fast jede fünfte Frau und etwa jeder zehnte Mann über Harninkontinenz. Es sind verschiedene Harninkontinenz-Formen zu unterscheiden.

Harninkontinenz und Harnverlust bei Kindern


Ein unkontrollierter und unfreiwilliger Urinverlust ist bei einem Kleinkind bis 5 Jahre normal. Erst wenn dieser bei älteren Kindern wiederholt und über einen längeren Zeitraum auftritt, spricht man von einer Erkrankung und zwar von „Enuresis“ bzw. Einnässen, entweder am Tag oder in der Nacht. Hier kann man neben bestimmten Verhaltensregeln mittels einer medikamentösen Therapie unterstützend eingreifen.

Harninkontinenz im Alter


Erneut kann die Harninkontinenz im Alter sowohl bei Frauen und Männern auftreten und führt zu einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität.

Ab 60 Jahren klagt fast jede fünfte Frau und etwa jeder zehnte Mann über Harninkontinenz.

Die Entstehung der Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben und je nachdem können sich verschiedene Formen der Harninkontinenz entwickeln.

Verschiedene Formen der Harninkontinenz


Belastungsharninkontinenz:

Die frühere Bezeichnung für diese Form der Harninkontinenz lautete Stressharninkontinenz. Es kommt hierbei zu Urinverlust unter Belastung bzw. körperlicher Anstrengung wie z.B. das Tragen und Heben von Lasten, Husten oder Niesen. Dies führt zu einer Druckerhöhung auf den Beckenboden und der Harnröhrenschließmuskel ist nicht mehr in der Lage, daraufhin regelrecht zu reagieren und zu schließen.

Meist ist dies an eine generelle Beckenbodenschwäche gekoppelt. Besonders bei Frauen mit erblich vorbelasteter Bindegewebsschwäche oder nach mehreren Geburten kann es zusätzlich zu Senkungsbeschwerden führen. Hierbei kann es zum Absinken von Harnblase, Scheide, Gebärmutter oder Darm kommen.

Die Belastungsharninkontinenz beim Mann ist eher selten. Nach einem Eingriff an der Prostata wie z.B. der Prostatahobelung (TUR-P) bei erschwertem Wasserlassen oder der kompletten Entfernung der Prostata bei Krebs (Radikale Prostatektomie) ist eine Belastungsharninkontinenz möglich.

Dranginkontinenz:

Bei dieser Form der Harninkontinenz ist der Harnröhrenschließmuskel intakt, aber die Blase selbst überempfindlich in der Füllungswarnehmung oder der Blasenmuskel arbeitet überaktiv. Es liegt hier eine Störung der Reizwahrnehmung und der Reizweiterleitung vor.

Oft tritt diese Form der Harninkontinenz bei Patienten auf, die bereits eine Erkrankung im Bereich des Nervensystems haben, wozu z.B. der M. Parkinson oder auch Diabetes mellitus gehören oder bei Zustand nach Schlaganfall.

Die Betroffenen leiden unter einem starken Harndrang, der ununterdrückbar wird und die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreicht wird, infolge dessen kommt es zum unwillkürlichen Urinverlust.

Meist kommt es in kurzen Abständen zu einem erneuten Drang und es werden nur geringe Urinmengen normal über die Toilette entleert.

Mischharninkontinenz:

Hier liegt eine Kombination von Symptomen der Belastungs- und Drangharninkontinenz vor.

Chronische Harnretention mit Überlaufinkontinenz:

Diese Form der Harninkontinenz findet sich vor allem bei den Männern. Durch eine Abflussstörung des Urins aus der Blase durch z.B. eine vergrößerte Prostata oder eine Harnröhrenenge kommt es nicht zur vollständigen Blasenentleerung.

Durch die Obstruktion kommt es im Anfangsstadium zu erhöhten Restharnwerten, die im weiteren Verlauf durch die Zunahme der Restharnmenge und der damit verbundenen Dekompensation der Blase zu einem Harnverhalt führt. Hierbei kann der Patient tröpfchenweise Urin verlieren, man spricht von Überlaufinkontinenz.

Auch bei Frauen kann eine Einengung der Harnröhre z.B. durch eine Striktur oder durch einen Harnröhrenvorfall oder durch die Senkung von Beckenbodenorganen zu einer Obstruktion der Harnröhre führen und dies eine Überlaufinkontinenz auslösen.

Reflexinkontinenz:


Eine Reflexinkontinenz kann durch Erkrankungen oder Verletzungen des Gehirns oder des Rückenmarks entstehen, zum Beispiel durch einen Unfall, der zur Querschnittslähmung führt. Auch bei Patienten mit Multipler Sklerose kann diese Art der Harninkontinenz auftreten.

Es kommt zur Unterbrechung der Nervenbahnen, die das für die Blasenentleerung verantwortliche Steuerungszentrum im Gehirn mit Harnblase und Schließmuskel verbinden. Als Folge tritt eine Störung der Koordination und Verlust der Kontrollfunktion von Blase und Schließmuskel auf.

Reflexartige Kontraktionen der Blasenmuskulatur führen zum Urinabgang. Je nach Lokalisation der Verletzung der Nervenbahnen, kann es auch zu einer schlaffen Blase mit erhöhtem Restharn kommen.

Extraurethrale Inkontinenz:

Bei der extraurethralen Harninkontinenz liegt weder eine Störung des Schließmuskels noch eine Harnröhrenobstruktion oder Verletzung des Nervensystems vor. Hier findet sich entweder eine angeborene, fehlerhafte Mündung der Harnröhre unter Umgehung des Schließmuskels nach außen oder es kommt sekundär nach Bestrahlung oder Operation zum Beispiel zu einer Blasen-Scheiden-Fistel oder Harnröhren-Scheiden-Fistel.

Artikelinformationen zu Harninkontinenz
Autor

Dr. med. Christian Gilfrich

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Autor

Dr. med. Christiane Cordero Casas

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