
Laut WHO (Weltgesundheitsorganisation) ist die Hebamme die am besten geeignete Fachperson für die Betreuung einer normalen Schwangerschaft und Geburt. Aus diesem Grund entscheiden sich viele Frauen, in einem Geburtshaus zu entbinden. Der Charme des Geburtshauses liegt vor allem in seiner intimen, individuellen Ausstattung, die die Frauen völlig und rückhaltlos für sich beanspruchen können. Oft sind es besonders selbstbewusste und offene Frauen, die sich für eine Entbindung im Geburtshaus entscheiden.
Geburtshäuser und -praxen werden meist von mehreren Hebammen geführt, manchmal gehören auch Ärzte zum Team. Im günstigsten Fall befinden sie sich in Kliniknähe, so dass auf medizinische Technik weitgehend verzichtet werden kann. Die wohnlich eingerichteten Geburtszimmer sind mit Überwachungsgeräten (CTG) und einem Notfallset (Sauerstoff) für das Baby ausgestattet.
Wer sich für die Geburt in einem Geburtshaus entscheidet, der sollte sich spätestens zwei Monate vor dem Entbindungstermin mit dem Geburtshaus seiner Wahl in Verbindung setzen. So bleibt noch genug Zeit, dass sich Eltern und Hebamme kennen lernen, um die Geburt zu dem Erlebnis zu machen, das sich die Eltern wünschen.
Die Philosophie der Geburtshäuser ist es, den Müttern und Familien eine Geburt im selbst bestimmten Rahmen zu ermöglichen. Das heißt: Wird eine Wassergeburt gewünscht, kann die Entbindung im Wasser vorgenommen werden. Möchte die Mutter lieber auf einem Geburtsstuhl entbinden, wird ihr diese Möglichkeit geboten. Geschwisterkinder können mitgebracht werden, müssen aber von einer Betreuungsperson begleitet werden. Ob und welche Musik zur Entspannung gespielt wird, entscheidet die Gebärende.
Der Charme des Geburtshauses liegt gerade in seiner intimen, individuellen Ausstattung, die man völlig und rückhaltlos für sich beanspruchen kann. Außerdem ist die aktive Einbeziehung des Geburtspartners - es können auch mehrere sein - ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Geburtshauses. Die Kompetenz der Hebammen gepaart mit Emotion und Selbstbewusstsein der Eltern: Das ist die Essenz des Geburtshauses.
Während der Geburt werden verschiedene Möglichkeiten zur Schmerzlinderung angeboten, die aus Meditation, Atemtechnik, Massagen oder homöopathischen Mitteln bestehen können. Eine Periduralanästhesie ist im Geburtshaus allerdings nicht möglich. Wird sie erforderlich, muss die Mutter in eine Klinik verlegt werden.
Viele Hebammen sind der Auffassung, dass natürliche Dammrisse besser heilen als Dammschnitte, die während der Geburt gesetzt werden. In der Regel wird die Hebamme aber ohnehin versuchen, die Verletzung des Dammgewebes ganz zu vermeiden. Dazu wird der Dammbereich mit Haselöl massiert oder mit Kaffeekompressen behandelt.
Geburtshäuser können immer nur eine begrenzte Anzahl an Geburten annehmen. In der Regel ist eine Hebamme für eine Schwangere da. Um eine Rundum-Betreuung garantieren zu können, wird aber auch in den Geburtshäusern im Bereitschaftsdienst gearbeitet, der entweder 12 oder 24 Stunden dauert. Für eine kompetente Betreuung ist immer gesorgt.
Qualifizierte Untersuchungen, auch vom Bundesverband der Hebammen, weisen nach, dass Entbindungen im Geburtshaus ebenso sicher sind wie in der Klinik. Umgekehrt sind es oft selbstbewusste und offene Frauen und Familien, die sich für eine Entbindung im Geburtshaus entscheiden. Wer ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit hat, wählt meist das Krankenhaus.
Es gab Zeiten, da die unterschiedlichen Auffassungen - Krankenhaus hier, Geburtshaus dort - zu fast ideologisch-dogmatischen Auseinandersetzungen führte, die die Frauen bei der Frage "Wie entbinde ich richtig?" gehörig unter Druck setzte. Inzwischen besteht ein breiter Konsenz darüber, dass Frauen selbst und individuell entscheiden sollen, wo und wie sie entbinden möchten. So entbinden Frauen, die ein hohes Sicherheitsbedürfnis haben, heute im Krankenhaus und diejenigen, die zu viel "Technik" ablehnen, wählen das Geburtshaus oder andere natürliche Alternativen (wie z.B. die Hausgeburt).
Unterschiede zwischen geburtshilflichen Abteilungen in Krankenhäusern und Geburtshäusern gibt es immernoch, auch wenn sich heute viele Krankenhäuser gegenüber selbstbestimmten Methoden der Geburt (z.B. Wassergeburt, Gebärstuhl, verschiedene Gebärstellungen, ambulante Geburt) geöffnet haben und auch alternativen Formen der Schmerzbekämpfung (z.B. Akkupunktur) offen gegenüber stehen.
Ganz eindeutig zuständig sind Kliniken, wenn es sich um eine Risikogeburt handelt. Denn hier kann innerhalb von Minuten ein Kaiserschnitt gemacht werden. Meistens haben große Krankenhäuser auch eine Neugeborenen-Intensivstation, so dass das Baby notfalls schnell verlegt werden kann.
Geburtshäuser nehmen dagegen Risikoschwangerschaften wie Mehrlingsgeburten, Beckenendlagen oder Schwangerschaften mit einem komplizierten Verlauf gar nicht erst zur Entbindung an. Komplikationen während der Geburt sind daher in der Regel in Geburtshäusern selten. Treten sie dennoch auf, wird die Mutter zur Notfallversorgung sofort ins nächste Krankenhaus gebracht. In der Regel begleitet die Hebamme die Mutter auch auf diesem Weg - die medizinische Versorgung liegt dann aber in der Verantwortung der Klinik.
Die Krankenkassen übernehmen zwar die Kosten der Entbindung, nicht aber die Betriebskosten des Geburtshauses. Daher muss eine Zuzahlung geleistet werden, die zwischen 300 und 600 EUR liegt. Einzelheiten dazu sollten ebenso wie medizinische und praktische Fragen mit dem jeweiligen Geburtshaus direkt abgesprochen werden.
Übrigens: In vielen Fällen betreut die Hebamme die Schwangere von Beginn der Schwangerschaft an. Sie kann die notwendigen Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen ebenso durchführen wie ein Gynäkologe.
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| Verwendete Quellen: AUtor: Susanne Köhler |
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