
Vater werden ist, entgegen aller Volksweisheit, doch schwer. Während Frauen ihre Schwangerschaft mit sicherem Instinkt zu durchlaufen scheinen, sind sich werdende Väter ihrer Sache nicht immer ganz so sicher. Ein Teststreifen am Waschbeckenrand im Badezimmer, Übelkeit am Morgen und Salzcracker-Krümel in der Küche. Der erste Ultraschall hilft, das unbekannte Wesen wenigstens begreifbar zu machen.
Erst in den letzten 2 Generationen wurde den Männern das Vatersein überhaupt erlaubt, wurden die so genannten "neuen Väter" geboren. Davor war es oft aus hygienischen oder moralischen Gründen gar nicht erlaubt, dass sie die Geburt im Kreissaal miterlebten. Viele werdende Väter haben Schwierigkeiten, sich das neue Leben mit Kind vorzustellen - und wissen oft nicht, dass es den Müttern ganz ähnlich geht. Beide haben Ideen, Vorstellungen und Träume, wie sich das Leben zu dritt entwickeln soll. Aber reden sie ausreichend darüber?
Wenn sich Nachwuchs anmeldet, dann dreht sich normalerweise ab sofort alles um die Mutter und ihr Wohlbefinden. Die werdenden Väter bleiben dabei oft auf der Strecke. Keiner kümmert sich so recht um sie. Dabei entwickeln rund 25% aller werdenden Väter ein so genanntes Schwangerschafts-Syndrom, zu dem Kopfschmerzen, Übelkeit oder auch Gewichtszunahmen von 4 Kg oder mehr gehören. In der neueren wissenschaftlichen Literatur wird sogar über einige Fälle männlicher Scheinschwangerschaften berichtet.
Psychologen sehen die Schwangerschaftssymptome der werdenden Väter allerdings mehr als Zeichen ungelöster Konflikte mit der Schwangerschaft. Freude und Stolz über die Schwangerschaft sind gepaart mit Angst vor der veränderten Lebenssituation, der Furcht, seinen Platz an der Seite der geliebten Frau zu verlieren und der Unsicherheit über das Sexleben während und nach der Schwangerschaft. Schadet es dem Kind körperlich? Wird es psychisch leiden, wenn die Eltern in der Schwangerschaft Sex haben? Wie lange nach der Geburt dauert es, bis wir wieder miteinander schlafen können? Ist dies das Ende aller Erotik?
Viele dieser Fragen können ganz schnell und einfach beantwortet werden: Solange der Arzt bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen nichts anderes feststellt, ist Sex während der Schwangerschaft ungefährlich. Der Penis berührt das Ungeborene nicht. Fruchtblase, Fruchtwasser und das weiche Gewebe des Gebärmutterhalses schützen das Baby. Erst ganz kurz vor der Geburt können bestimmte Hormone im Sperma dazuführen, dass die Geburt beschleunigt wird. Aber auch Muskelkontraktionen während des Orgasmus sind keine Wehen und daher ungefährlich.
In den meisten Fällen können diese Probleme aber durch Gespräche und einem intensiven Austausch mit der Partnerin behoben werden. Wenn sich die Partner gegenseitig unterstützen, lassen sich Ängste und Unsicherheiten viel besser ertragen - und das gilt für Männer und Frauen. Vielen Männern hilft es, von Anfang an in die Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung einbezogen zu sein. Man che müssen den Mut dazu erst aufbringen. Gynäkologen, Hebammen und Geburtshäuser haben in der Regel keinerlei Probleme damit, die werdenden Väter in die Betreuung einzubinden und ihre Fragen zu beantworten. Garantien dafür, dass die Vorbereitung auf die Geburt auch einen guten Vater produziert, gibt es jedoch nicht.
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