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Hormontherapie bei Brustkrebs - Hintergrund

Hormontherapie bei Brustkrebs

Brustkrebs ist in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen, jährlich erkranken rund 47.000 Frauen. Je älter eine Frau wird, desto mehr steigt für sie die Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs zu erkranken. 70 Prozent der Erkrankungen betreffen daher Frauen über 60. Das heißt aber auch: 30 Prozent der Frauen sind jünger.

Egal wie alt eine erkrankte Frau ist, die Therapie muss individuell angepasst werden. Wobei bei allen Überlegungen v.a. die Charaktersierung des Tumors und auch das Alter der Patientin, ihre Wünsche und zusätzlich vorhandene Erkrankungen eine Rolle spielen.

Bei der Behandlung eines Brustkrebses steht die Operation meist an erster Stelle. Hier bestimmt der Krebs – seine Gewebsart, seine Größe und seine Ausdehnung – das Vorgehen. Nach einer Operation, aber auch wenn eine Operation aus medizinischen Gründen nicht ratsam ist, können Bestrahlung, Chemotherapie und Hormontherapie zum Einsatz kommen. Welche Behandlung gewählt wird, hängt wiederum eng mit der Tumorart zusammen.


Voraussetzungen für ein Hormontherapie

Gerade für die Wahl einer Hormontherapie müssen die Voraussetzungen stimmen, denn nicht jeder Tumor ist durch diese Therapieform zu beeinflussen. Damit die Hormonbehandlung Nutzen bringt, müssen die Brustkrebszellen so genannte Hormonrezeptoren in ihren Zellkern tragen. Man spricht dann von hormonrezeptorpositiven Zellen. Im Tumorpass oder im Arztbrief steht dafür meist die Abkürzung „ER+“ oder „PR+“. ER+ ist die Kurzfassung von „Östrogen-Rezeptor positiv“; das „E“ kommt vom englischen Wort „Estrogen“ für Östrogen. PR+ steht für progesteronrezeptorpositiv.

Progesteron ist neben Östrogen das zweite weibliche Geschlechtshormon, das in Brustkrebszellen wirkt.
Östrogen beeinflusst Krebszellen häufig in ihrem Wachstum. Je höher der Östrogenspiegel, desto schneller wachsen bestimmte Krebsarten. Östrogene werden in den Eierstöcken (Ovarien), aber auch in Fett- und Muskelgewebe oder sogar im Tumor selbst gebildet. Die Höhe der Spiegel ist zyklusabhängig. Der Östrogenspiegel bestimmt beispielsweise, ob es zu einer monatlichen Blutung oder einer Schwangerschaft kommt. Mit zunehmendem Alter produzieren die Eierstöcke immer weniger Östrogene, die Monatsblutungen werden unregelmäßiger und bleiben irgendwann ganz aus. Daher nehmen Erkrankungen, die bei höheren Östrogenspiegeln schneller voranschreiten, vor den Wechseljahren einen rasanteren Verlauf.

Hormontherapien bei östrogenabhängigen Erkrankungen
Sowohl gutartige als auch bösartige Erkrankungen bei der Frau werden von Östrogenen - einem Geschlechtshormon - beeinflusst. Unterdrückt man die Hormonproduktion, kann man damit das Fortschreiten hormonabhängiger Krankheiten hemmen.

Beispielsweise wachsen gutartige Tumoren in der Gebärmutter (Uterus myomatosus) oder Schleimhautwucherungen (Endometriose) bei höherem Östrogenspiegel schneller. Das Gleiche gilt für eine Reihe bösartiger Erkrankungen wie bestimmte Arten von Brust- und Gebärmutterkrebs. Daraus folgt für die Behandlung solcher Tumoren, dass Krebszellen nicht mehr stimuliert werden, indem der Östrogenspiegel abgesenkt wird. Dies geht natürlich nur bei Tumoren, deren Wachstum mit den Geschlechtshormonen zusammenhängt.

Um die Östrogenproduktion zu unterbinden, kann man zum Beispiel die Eierstöcke entfernen, eine so genannte Ovarektomie durchführen, oder die Eierstöcke durch Bestrahlung zerstören. Eine effektive, aber auch sehr einschneidende Methode besonders für Frauen im gebärfähigen Alter. Das Resultat dieser Operation/Bestrahlung ist die Menopause, also das Ausbleiben der monatlichen Blutungen und damit gleichzeitig auch der Beginn der Wechseljahre. Nach dieser Operation/Bestrahlung können dann typische Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, trockene Scheidenschleimhaut, Kopfschmerzen, Depressionen und im Laufe der Zeit auch eine Abnahme der Knochensubstanz auftreten. Diese Beschwerden sind Folge des niedrigen Östrogenspiegels.

Der Nachteil einer solchen Operation/Bestrahlung liegt auf der Hand: Sie ist nicht mehr rückgängig zu machen. Deshalb wurde nach Alternativen gesucht, die eine zeitlich begrenzte Unterdrückung der Östrogene möglich machen.
letzte Aktualisierung: 04.02.2012
copyright by Deutsche Krebsgesellschaft e.V.

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