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Gehörlosigkeit (Taubheit) - Hintergrund / Einleitung

Gehörlosigkeit (Taubheit)


In Deutschland sind etwa 0,1 Prozent der Bevölkerung, ca. 80.000 Menschen, gehörlos. Eine Gehörlosigkeit bzw. Taubheit liegt vor, wenn Geräusche und Töne nicht oder nur stark eingeschränkt wahrgenommen werden. Die Laute dringen bei Menschen, die unter Gehörlosigkeit bzw. Taubheit leiden, zwar in das Ohr, doch das Hörorgan kann diese nicht verarbeiten oder weiterleiten.

Definition: Gehörlosigkeit und Taubheit


Unter Taubheit versteht man den beiderseitigen vollständigen Verlust des Hörvermögens. Es werden eine absolute Taubheit und eine praktische Taubheit voneinander abgegrenzt. Bei einer praktischen Taubheit können einzelne Töne oder Geräusche noch wahrgenommen werden, bei der absoluten Taubheit ist kein Höreindruck mehr vorhanden.

Als Gehörlosigkeit bezeichnet man in der Regel das vollständige oder weitgehende Fehlen des Gehörs. Während der medizinische Ausdruck für diesen Sachverhalt als Taubheit, lateinisch Surditas, lautet, wird mit „Gehörlosigkeit“ im Volksmund zumeist die damit verbundene Behinderung als solche angesprochen.

Ursachen für Gehörlosigkeit bzw. Taubheit


Bei der Entstehung einer Gehörlosigkeit bzw. Taubheit unterscheidet man angeborene und erworbene Schädigungen. Eine angeborene, d.h. vor dem Zeitpunkt der Sprachbahnentwicklung entstandene Taubheit wird als prälinguale Taubheit bezeichnet. Schwere angeborene Hörschäden können erbbedingt oder durch Einflüsse während der Schwangerschaft entstehen. Eine erblich bedingte Taubheit ist dadurch gekennzeichnet, dass Teile des Hörorgans wie das Mittelohr, das Innenohr oder der Hörnerv nicht, oder nur unvollständig ausgebildet sind. Kinder tauber Eltern können dann ebenfalls taub zur Welt kommen. Viele erblich bedingte Schwerhörigkeiten sind mit Schäden an anderen Organen, wie Augen, Nieren, Knochen, Haut u. a. kombiniert. Bekannte Syndrome mit Taubheit sind unter anderem das Usher-Syndrom mit Einschränkung des Sichtfelds oder das Waardenburg-Syndrom, bei dem Pigmentanomalien in Haut, Haaren oder in den Augen auftreten. Weitere Syndrome sind z.B. das Alport-, Jervell-Lange-Nielsen-, Waardenburg-, Cockayne- und Pendred-Syndrom.

Hochgradige Schwerhörigkeiten, die intrauterin also während einer Schwangerschaft entstehen sind meist auf Infektionen mit Viren wie z.B. Röteln, Zytomegalie oder Toxoplasmose oder Bakterien wie Lues zurückzuführen. Toxische Schäden können auf Medikamente wie bestimmte Antibiotika, Diuretika, Zytostatika oder durch Gifte wie Alkohol oder Nikotin zurückzuführen sein. Taubheit kann auch perinatal, also im Rahmen der Geburt auftreten. Risikofaktoren sind Frühgeburt, Kernikterus oder Atemstillstand mit Sauerstoffmangel.

Nach der Geburt, medizinisch postnatal, erworbene Taubheit kann durch infektiöse Hirn- Erkrankungen wie Meningitis oder Enzephalitis auftreten, aber auch durch Infektionen wie Mumps, Zoster, Masern, Tuberkulose, sowie chronische Mittelohrentzündungen oder toxische Schäden verursacht sein. Auch schwere Unfälle mit Schädelbrüchen, hier besonders die Felsenbeinfraktur, können eine Taubheit hervorrufen.

Tritt die Taubheit erst nach Erlernen der Sprache auf, wird sie als postlinguale Taubheit bezeichnet. Ursachen sind neben den z. T. bereits o. g. ein Hirntumor, Hirnerkrankungen wie Multiple Sklerose, schweres Schädel-Hirn-Trauma, akustische Unfälle wie Explosionen oder Barotrauma, schwere Infektionen z.B. mit Herpesviren, Zellgifte und Medikamente wie Chemotherapeutika oder Schleifendiuretika, sowie Antibiotika wie das Gentamycin. In seltenen Fällen liegt eine psychogene Taubheit im Sinne einer dissoziativen Hörstörung vor. Ferner sind auch hier genetisch angeborene Neigungen zu Hörverlust bekannt.
letzte Aktualisierung: 06.05.2013

Artikelinformationen zu Gehörlosigkeit (Taubheit)
Autor
Prof. Peter Issing

Prof. Dr. med. Peter Issing

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