Wie und wann erfolgt die Behandlung der Follikulären Lymphome?
Die örtlich begrenzten Stadien I und II werden mit der Aussicht auf eine dauerhafte Heilung bestrahlt. In Ausnahmefällen zählt dazu auch das Stadium IIIA unter der Voraussetzung, dass höchstens 3 eng benachbarte Lymphknotenstationen befallen sind und die Tumormasse nicht zu groß (= „bulky“) ist.
Die höheren Stadien können nur in seltenen Fällen geheilt werden, doch sind sehr langsame Spontanverläufe teilweise über viele Jahre nicht selten, was zunächst eine abwartende, therapiefreie, beobachtende Haltung („ watchfull waiting“) rechtfertigt. Diese Strategie wird neuerdings aber in Frage gestellt.
Wann würde man nun die abwartende Haltung verlassen und eine Behandlung der Follikulären Lymphome beginnen?
Eine Therapie der Follikulären Lymphome sollte eingeleitet werden, wenn eine deutliche Krankheitsaktivität zu verzeichnen ist, d.h.: wenn B-Symptome (siehe oben) auftreten, etwa wenn es zu einer deutlichen Zunahme der Lymphknotenschwellung mit Druckgefühl, Verdrängung oder Einengung anderer Organe oder von Blut- bzw. Lymphgefässen kommt, wenn aufgrund des Knochenmarkbefalls die Blutbildung soweit gestört ist, dass Beschwerden bestehen oder Probleme drohen, z.B. Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen) oder Abwehrschwäche bei Mangel an funktionsfähigen weißen Blutkörperchen.
Welche Therapien zur Behandlung Follikulärer Lymphome gibt es?
Als Behandlungsstandard in der fortgeschrittenen Situation Follikulärer Lymphome gilt heute eine Kombination aus „klassischer“
Chemotherapie mit
Zytostatika und der Immunotherapie (= Chemo-Immunotherapie). Diese Therapie kann in der Regel unter ambulanten Bedingungen, z.B. in der Praxis eines Hämato-Onkologen durchgeführt werden und bedarf damit meistens keines Krankenhausaufenthaltes.
Die Chemotherapie besteht häufig aus einer Kombination verschiedener Substanzen, die für die Krebszellen tödlich sind, aber auch für sich schnell teilende gesunde Zellen des menschlichen Körpers, wie z.B. die Zellen der Blutbildung des Knochenmarks und der Haarwurzeln. Da die Chemotherapie über die Blutbahn verabreicht wird, kann sie überall im Körper gegen die Krebszellen wirken.
Das CHOP-Regime und andere Therapien gegen Follikuläre Lymphome
Das CHOP-Regime ist derzeit das gebräuchlichste Therapieschema bei Follikulären Lymphomen und besteht aus den Substanzen Cyclophosphamid, Doxorubicin, Vincristin und Prednison (das ist ein Kortisonpräparat, welches als einziger Teil des CHOP-Schemas als Tablette verabreicht wird). Die Chemotherapie wird in ihrer Effizienz deutlich gesteigert durch die zusätzliche Gabe von Rituximab, einem sogenannten monoklonalen Antikörper (dann heißt das Therapieregime R-CHOP). Dieser Antikörper passt genau auf eine Molekülstruktur (CD20), die auf der Zelloberfläche von
B-Lymphozyten und Lymphomzellen vorhanden ist. Der Antikörper bindet sich an diese Molekülstruktur, was zum Absterben der Lymphomzellen bzw. zu einer erhöhten Empfindlichkeit gegen die Chemotherapie führt.
Neben dem CHOP-Regime sind auch noch andere Zytostatika-Schema zur Behandlung Follikulärer Lymphome gebräuchlich, wobei neuerdings das (in der ehemaligen DDR als einzige diesbezügliche Innovation entwickelte) Bendamustin in Kombination mit Rituximab (R-B) in Behandlungsstudien gegenüber R-CHOP eine mindestens gleiche Wirksamkeit bei geringeren Nebenwirkungen gezeigt hat.
In den meisten Fällen kommt es bei Follikulären Lymphomen zu einem Krankheitsrückfall. Deshalb wurden Versuche unternommen, einem solchen Rückfall vorzubeugen, was in der Tat mit dem schon oben angesprochenen Antikörper Rituximab, der dann alleine ohne Chemotherapie über zwei Jahre alle 3 Monate verabreicht wird, bis zu einem gewissen Grade gelingt. Der Wert einer sogenannten Hochdosistherapie mit Rückgabe eigener Blutstammzellen zur Stabilisierung des Behandlungserfolges kann im Vergleich zur R-CHOP-Behandlung mit 2-jähriger Rituximab-Erhalungstherapie nicht sicher beurteilt werden.
letzte Aktualisierung: 06.05.2013
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