Häufige Fragen zum Thema BrustkrebsIst Brustkrebs vererbbar? Brustkrebs tritt leider in manchen Familien häufiger auf. Jedoch sind bei nur ca. 3 % der Frauen mit
Brustkrebs Genveränderungen bekannt (Brustkrebsgenen BRCA1 und BRCA2), die für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden. Werden diese Mutationen in den Genen nachgewiesen, erhöht sich das Risiko im Lauf des Lebens an
Brustkrebs zu erkranken um bis zu 80%. In allen anderen Fällen – auch bei familiärer Häufung – ist heutzutage die Ursache nicht bekannt.
Muss ich an meiner Krebserkrankung versterben? Krebs früh erkannt kann heute in der Mehrzahl der Fälle geheilt werden. Bei einigen Krebserkrankung sind die Heilungschancen weiterhin sehr schlecht, bei anderen wie z.B. dem
Brustkrebs in frühen Stadien aber extrem gut (>80%). Voraussetzung ist die moderne
Therapie in einem Zentrum durch ein Team von Experten aus verschiedenen Fachdisziplinen (Diagnostik, operative
Therapie,
Strahlentherapie, medikamentöse Behandlung).
Welche Untersuchungen sind sinnvoll zum Ausschluss von Brustkrebs? Der Standard ist nach wie vor die
Mammographie. Ergänzend zur
Mammographie sollte ein
Ultraschall von der Brust erfolgen. Die Durchführung einer
Kernspintomographie ist kein Standard und speziellen Indikationen vorbehalten (z.B. bei familiärer Belastung).
Bei Verdacht auf
Brustkrebs anhand der Klinik bzw. der Bildgebung muss eine
Biopsie durchgeführt werden. Unter einer
Biopsie versteht man die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem verdächtigen Gewebe. Nur die mikroskopische Untersuchung der Gewebeprobe der Brust kann endgültig Klarheit darüber geben, ob ein Tumor gut- oder bösartig ist.
Können Mammographien Brustkrebs auslösen? Bei der
Mammographie muss die Härte der Strahlung relativ hoch sein, um eine diagnostischen Beurteilung zuzulassen. Da jedoch allein die
Mammographie in der Lage ist, die Vorstufe des Brustkrebes (
Carcinoma in situ) oder
Brustkrebs im Frühstadium darzustellen, ist sie eine absolute Notwendigkeit. Eine Entstehung von
Brustkrebs durch die Strahlung selbst ist aber als unwahrscheinlich einzustufen.
Wer kann brusterhaltend operiert werden? Die brusterhaltende
Therapie ist heute das operative Standardverfahren.
Durch diese neue Technik können bei Erhalt der Brust gleich gute Heilungsergebnisse erzielt werden, wie früher nach
Amputation der Brust. Unbedingte Voraussetzungen für die
brusterhaltende Operation sind jedoch, dass der Tumor weder
Haut, noch Brustwand mit befallen hat und der Tumor eine bestimmte Größe nicht überschreitet. Eine vollständige Entfernung des Tumors mit einem Sicherheitssaum von 1-2 cm im gesunden Gewebe ist absolut notwendig. Auch eine anschliessende
Bestrahlung ist obligat.
Welche Nebenwirkungen hat eine Bestrahlung der Brust? Während der
Bestrahlung können Rötungen und Schwellung der
Haut auftreten, wie bei einem starken
Sonnenbrand. Längerfristig kann die Brust narbig verhärten, die Pigmentierung der
Haut kann sich verstärken und die Brust kann kleiner werden. Die Entstehung von
Lungenkrebs, Lungenfibrose oder
Herzschwäche ist mit den modernen Bestrahlungstechniken deutlich geringer geworden.
Was ist der Wächter- bzw. Sentinellymphknoten? Der Wächter-Lymphknoten, auch
Sentinel node genannt, ist derjenige Lymphknoten, zu dem die
Lymphe aus dem Tumorgebiet als erstes abfließt. Erst danach erreicht die
Lymphe weitere Lymphknoten im Gebiet der Achselhöhle. Dieser Lymphknoten „wacht“ also in gewissem Sinne über die anderen Lymphknoten. Er ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der erste Lymphknoten, in dem sich Tumorzellen ansiedeln.
Um die Zahl der entfernten Lymphknoten gering zu halten, entfernt der Chirurg somit zunächst nur diesen Wächterlymphknoten. Findet der Pathologe in der feingeweblichen Untersuchung während der Operation keine Tumorzellen, verzichtet der Chirurg auf die Entfernung weiterer Achsellymphknoten. Enthält der Wächter-Lymphknoten Krebszellen, müssen weitere Lymphknoten entfernt und auf Tumorzellen untersucht werden.
Brauche ich eine Chemotherapie? Eine
Chemotherapie wird nur dann empfohlen, wenn nach sorgfältigem Abwägen im interdiszplinären Tumorboard ihr Nutzen um vieles größer eingeschätzt wird als ihr Risiko. Das Ziel der
Chemotherapie ist, die Bildung von
Metastasen zu verhindern - oder - sofern schon
Metastasen vorliegen, deren Wachstum zu hemmen oder sie zu zerstören. Langjährige Erfahrung im Umgang mit Chemotherapien aller Art und moderne Begleitmedikamente senken das Risiko für Kurzeit- oder Langzeitschäden weiter. Zusätzlich sind Chemotherapien heute häufig dis Basis für Kombinationsbehandlungen mit modernen zielgerichteten Therapien.
Sollte man sich für die Chemotherapie einen Port legen lassen? Wie funktioniert dieser? Bei schlechten Venenverhältnissen wird die Anlage eines zentralen Venenkatheters (Port) empfohlen. Dieser wird in örtlicher Betäubung in eine große, zum
Herz führende Vene eingelegt. Das Kathetersystem liegt im Fettgewebe unter der
Haut. Die so genannte Portkammer (Durchmesser ca. 4cm) kann man leicht durch die
Haut ertasten und mit einer speziellen Nadel anstechen. Nach der
Chemotherapie wird die Nadel wieder entfernt, nach Abschluss der gesamten Behandlung kann das Kathetersystem wieder problemlos in örtlicher Betäubung entfernt werden.
Ist es sinnvoll, den Port nach der Chemotherapie zu behalten? Ein Port hilft, Infusionstherapien wie z.B.
Bisphosphonate,
Antikörper oder Chemotherapien dem Körper zuzuführen. Je nach Stadium der Erkrankung ist eine solche
Therapie kurzfristig oder langfristig angesetzt. Im adjuvanten Stadium der Erkrankung sollte der Port direkt nach Abschluss der jeweiligen
Therapie entfernt werden. Im metastasierten Stadium sollte er im Körper verbleiben, wenn er keine klinischen Probleme hervorruft.
Mit welchen Nebenwirkungen muss ich bei einer antihormonellen Therapie rechnen? Eine antihormonelle
Therapie zielt darauf ab, dass das Hormon
Östrogen seine wachstumsstimulierende Wirkung auf den Tumor nicht mehr entfalten kann. Um dies zu erreichen, werden entweder die Andockstellen der Tumorzelle für
Östrogen blockiert (Tamoxifen) oder die Bildung von Östrogenen wird von vornherein unterbunden (Aromatasehemmer). Da das
Östrogen aber auch andere Funktionen im Körper ausübt, können bei Entzug Nebenwirkungen auftreten, die klimakterischen Beschwerden ähneln (auch hier ist die Ursache ein Absinken des Östrogenspiegels). So werden zum Beispiel Hitzewallungen, Gewichtszunahme, Stimmungsschwankungen und
Osteoporose beobachtet.
Wie gehe ich mit Gelenkschmerzen unter antihormoneller Therapie um? Bei einer antihormonellen
Therapie mit Aromatasehemmern können Gelenkbeschwerden als Nebenwirkung auftreten. Diese Beschwerden hängen mit dem Wirkmechanismus dieser Medikamente zusammen: Aromatasehemmer senken die Östrogenspiegel und führen dadurch zu einer Hemmung des Tumorwachstums hormonsensiblen Brustkrebses.
Da Östrogene aber auch einen Einfluss auf Stoffwechselvorgänge in Gelenken und Knochen haben, kann es bei einem solchen Östrogenentzug zu Gelenkschmerzen kommen. Meistens bessern sich die Beschwerden mit zunehmender Behandlungsdauer oder können gut mit leichten Schmerzmitteln beherrscht werden. In einigen Fällen sind die Gelenkbeschwerden aber so ausgeprägt, dass die Behandlung nicht fortgesetzt werden kann. Sollten Sie zu den Betroffenen gehören, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt über die für Sie beste Lösung.
Wann sollten Tumormarker bei Brustkrebs bestimmt werden? Die
Tumormarker bei
Brustkrebs (CA 15-3,
CEA) haben keinen hohen Stellenwert bei der Diagnosestellung von
Brustkrebs, sondern vielmehr liegt ihre Bedeutung in der Verlaufskontrolle nach der
Therapie im metastasierten Stadium. Ihre Aussagekraft ist leider nicht so gross wie oftmals vermutet wird.
Verhütung und Brustkrebs - Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pille und Brustkrebs? Es sind zahlreiche
Studien zu diesem Thema in den letzten Jahren durchgeführt worden. Die meisten zeigten keine Zusammenhänge bezüglich
Brustkrebs und Anti-Baby-Pillen. Einige wenige
Studien zeigten zwar ein leicht erhöhtes Risiko für Frauen, die eine Pille über einen langen Zeitraum eingenommen hatten, für die Entstehung einer Brustkrebserkrankung, doch muss man kritisch einwenden, dass die in den
Studien untersuchten Pillen andere
Hormone und andere Dosierungen beinhalteten als diejenigen, die heute in Deutschland verwendet werden. Generell kann man nicht von der Einnahme einer Anti-Baby-Pille wegen eines erhöhten Brustkrebsrisikos abraten, dennoch gehört es zu einer Beratung bezüglich verschiedener Verhütungsmethoden, die Ängste der Patientinnen, die Alternativen und die Erkrankungen in der Familie miteinzubeziehen.
Kann ich Phytoöstrogene (Soja) gegen meine Hitzewallungen unter einer Antihormontherapie einsetzen? Phytoöstrogene, wie die in Soja und Rotklee vorkommenden Isoflavone, werden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten mit dem Ziel, Beschwerden wie Hitzewallungen, die durch einen Abfall des Östrogenspiegels auftreten, durch den östrogenartigen Effekt von Phytoöstrogenen zu behandeln.
Studien, die zu dieser Therapiemöglichkeit bisher durchgeführt wurden, kommen jedoch zu unterschiedlichen Ergebnissen. Der therapeutische Einsatz von Phytoöstrogenen bei klimakterischen Beschwerden ist daher umstritten. Da bei
Studien mit Phytoöstrogenen zum Teil wachstumshemmende, zum Teil aber auch wachstumsfördernde Effekte auf das Brustgewebe beobachtet wurden, ist eine
Therapie von Hitzewallungen mit Phytoöstrogenen insbesondere bei hormonsensiblen Brustkrebspatientinnen als riskant einzustufen. Von einer solchen
Therapie ist daher nach heutigem Kenntnisstand eher abzuraten.
Was kann ich noch zusätzlich tun? Alle Dinge mit bewiesener Wirksamkeit werden Ihnen automatisch angeboten. Darüber hinaus können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Behandler alles tun, dass Ihr Wohlbefinden und Ihren Glauben an Heilung verbessert, wenn weder ein körperlicher oder seelischer noch ein finanzieller Schaden befürchtet werden muss. Sinnvoll sind immer Bewegung, Gewichtsnormalisierung, Nikotinkarenz, viel Obst und Gemüse sowie Alkohol nur in Maßen.
Was ist von der Misteltherapie zu halten? Diese Frage in Kürze zu beantworten ist nahezu unmöglich. Mistelpräparate konnten in seriösen und den hohen Anforderungen der Statistik entsprechenden
Studien einen positiven Effekt auf die Verträglichkeit von Chemotherapien zeigen. Bezüglich des Einflusses auf den Verlauf und die
Prognose einer Krebserkrankung als antitumoröse
Therapie gehen die Meinungen sehr weit auseinander. Hier eindeutig Position zu beziehen, kommt einem manchmal vor, als ob man ein Glaubensbekenntnis ablegt. Fakt ist, dass es diesbezüglich kaum qualitativ gut durchgeführte
Studien gibt, obwohl Mistelpräparate direkt und indirekt seit vielen Jahrhunderten bei vielen Erkrankungen eingesetzt werden. Eine abschließende Einschätzung können auch wir Ihnen somit leider nicht anbieten.
Was sind Möglichkeiten des Wiederaufbaus der Brust ?Es gibt verschiedene operative Möglichkeiten, eine neue Brust aufzubauen. Heutzutage wird in vielen Fällen bereits unmittelbar nach einer Brustentfernung in derselben Narkose mit dem Wiederaufbau begonnen. Ein Brustaufbau ist aber auch noch Jahre nach einer Brustentfernung möglich.
Als Rekonstruktionsverfahren der Brust stehen folgende Verfahren zur Verfügung:
• Brustaufbau aus körpereigenem Gewebe (Schwenklappen)
• Brustaufbau mit einem Implantat (Silkonprothese)
• Kombination von beiden Verfahren
Welches Verfahren wann zum Einsatz kommt richtet sich nach vielen verschiedenen Faktoren wie der Größe und dem Sitz des Tumors, dem Alter der Patientin und der damit verbundenen operativen Risiken und Begleiterkrankungen, der Qualifikation und Präferenz des Operateur und dem Wunsch der Patientin. Wichtig für die Wahl des Eingriffes ist auch, ob vorher oder anschließend eine
Bestrahlung erfolgt. Ein Wiederaufbau mit Implantaten sollte nicht bestrahlt werden. Hierfür eignen sich Rekonstruktionen mit Eigengewebe.
Wann sollte eine Brustrekonstruktion erfolgen? Den Wunsch nach
Brustrekonstruktion sollten Sie möglichst schon vor der Brustentfernung äussern. Unsere Ärzte, die sich auf die rekonstruktive Brustchirurgie spezialisiert haben, werden Ihnen alle Möglichkeiten erklären und Sie individuell beraten. Welche Methode am geeignetsten ist, hängt natürlich auch von der Art der zu erwartenden Nachbehandlung bei
Brustkrebs ab (z. B.
Bestrahlung erforderlich?)
Für den Wiederaufbau ist es technisch günstig, bei der Brustentfernung diesen zu berücksichtigen in Hinblick auf hautsparende Techniken und das Belassen eines gleichmässig dicken Hautmantels.
Psychologisch ist es für viele Frauen günstiger, wenn eine erste Wölbung der Brustwand z.B. durch Expandereinlage oder eine mittels Eigengewebe rekonstruierte Brust nach der Brustkrebsoperation vorhanden ist.
Aber auch nach Abschluß der Brustkrebsbehandlung ist ein Wiederaufbau möglich.
Detaillierte Fragen zum Thema Brustrekonstruktion 1 Rekonstruktion mit Implantaten Voraussetzung für die Rekonstruktion einer Brust mit einem
Silikon-Implantat ist, dass der Hautmantel genügend dick ist und nicht durch geplante oder vorangegangene Bestrahlungen geschädigt ist.
Um eine genügend grosse Tasche für die Einlage des Implantates zu schaffen, wird bei der Brustentfernung oder auch in einer späteren Operation eine Dehnungsprothese (Expander) unter den grossen Brustmuskel platziert. Diese wird in 4 wöchigen Abständen mit Kochsalzlösung über ein Ventil aufgefüllt, wodurch Brustmuskel und die darüber liegende
Haut gedehnt werden.
Ist die Tasche ausreichend groß, wird in einer 2. Operation die endgültige Silikonprothese eingelegt.
Vorteil dieser Methode ist, dass keine zusätzlichen Narben entstehen und die Operationen für die Patientin nicht besonders belastend sind.
Ein Nachteil ist, dass sich die mit
Prothese rekonstruierte Brust fester anfühlt als die natürliche Brust. Auch bildet der Körper eine Kapsel um das Implantat, so dass nach einigen Jahren ein Austausch der
Prothese erforderlich wird.
2 Rekonstruktion mit Eigengewebe Dabei wird die Brust durch körpereigenes Gewebe einschließlich eines Hautareals aufgebaut. Das Gewebe wird entweder vom Rücken nach vorne geschwenkt (
Latissimus dorsi Lapppen) oder frei vom Unterbauch transplantiert (DIEP flap).
Vorteile der Eigengewebsrekonstruktion sind, dass sich die Brust natürlicher anfühlt und eine natürlich leicht hängende Form nachgebildet werden kann. Ausserdem kommt kein Fremdmaterial zum Einsatz.
Nachteil der Methode ist, dass zusätzliche Narben auf dem Rücken bzw. am Unterbauch resultieren. Die Operationsdauer liegt zwischen 2 1/2 Stunden (Lat. Dorsi-Lappen) und 7 Stunden (DIEP flap). Es besteht insbesondere bei den freien Transplantaten das Risiko, dass Gewebsersatz nicht richtig durchblutet wird und Teile davon wieder abgestossen werden. Um Ihnen optimale Bedingungen anzubieten, stellen wir Sie bei Interesse am DIEP flap den plastischen
Chirurgen (Leiter der Abt. f. plast.
Chirurgie: Prof. Germann) der BG Unfallklinik Ludwigshafen vor. Dort liegt jahrelange Erfahrung mit dieser Methode und optimales technisches Equipment für die Durchführung und Nachbetreuung nach der Operation vor.
3 Wie wird die Brustwarze nachgebildet? Die Brustwarze besteht aus dem Nippel und dem Warzenvorhof. Der Nippel wird aus der eigenen Brustwandhaut formiert und aufgerichtet. Die
Haut des Warzenvorhofes wird entweder von der Gegenseite gewonnen oder aus der Oberschenkelinnenseite entnommen. Die Wahl des Entnahmeortes hängt von individuellen Voraussetzungen ab.
Eine Methode ohne Operation ist die Gestaltung der Brustwarze durch Permanent Make Up.
4 Was passiert mit der gesunden Brust? Wichtigstes Ergebnis der
Brustrekonstruktion ist das Erzielen einer Symmetrie beider Brüste. Dazu muss oft die gesunde Brust verkleinert oder geliftet werden. Aber auch eine Vergrösserung beider Brüste gegenüber dem Ausgangszustand ist möglich.
5 Wer bezahlt die Brustrekonstruktion? Die Kosten für eine
Brustrekonstruktion einschliesslich Angleichung der gesunden Seite werden von den Krankenkassen übernommen.
6 Vergrössert eine Brustrekonstruktion das Risiko für ein Wiederauftreten der Brustkrebserkrankung? Nein, ein Zusammenhang besteht nicht. Silikonimplantate selber wurden umfangreichen
Studien unterzogen und ein Zusammenhang zwischen
Silikon und
Brustkrebs sowie Autoimmunerkrankungen konnte ausgeschlossen werden.
Die Diagnostik eines Rezidivs wird auch nicht verschleiert, da Prothesen selber hinter dem Brustmuskel sitzen und ein
Rezidiv davor auftreten würde. Die rekonstruierte Brust ist mit
Ultraschall und
MRT weiterhin diagnostizierbar.
o
Ernährung: KOMPLETT AUS MEDFUEHRER! http://www.medfuehrer.de/
Brustzentren-
Brustkrebs-
Brustzentrum/Dem-
Krebs-vorbeugen---Gesund-essen--gesund-bleiben/Ernaehrung/28,15,0,17.html
Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und der Entstehung von Krebserkrankungen Die Wechselwirkungen von
Ernährung und
Krebs sind ein vieldiskutiertes und umstrittenes Thema. Ein Zusammenhang zwischen der Ernährungsweise und dem Auftreten von
Krebs konnte in den letzten Jahren in zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen und
Studien belegt werden. Gab es bisher keine wissenschaftlich fundierte „Krebsdiät“, gibt es neuesten Ergebnissen zufolge für eine bestimmte Gruppe von Krebspatienten einen Hoffnungsschimmer im Kampf gegen den
Krebs. Basierend auf der unterschiedlichen Energieproduktion in Tumorzellen kann
Krebs in zwei Klassen unterteilt werden. Eine Gruppe von Tumorarten kann infolge eines veränderten Stoffwechsels - und damit einer anderen Form der Energieproduktion - durch die gezielte Beeinflussung der Ernährungsweise in ihrer Entwicklung gehemmt und womöglich zum Absterben gebracht werden (TKTL1-Ernährungstherapie siehe Kapitel 4). Eine Wunderwaffe gegen
Krebs ist die
Ernährung dennoch nicht. Bewiesen ist, dass das Essverhalten einen entscheidenden Einfluss auf die Entstehung von
Krebs haben kann (Tabelle 1).
Die Entstehung von
Krebs ist aber nicht allein auf die Ernährungsweise zurückzuführen. Auch Faktoren wie
Rauchen, Umweltverschmutzung, Arbeitsplatzbedingungen,
Stress, Strahlung, Mikroorganismen oder erbliche Veranlagung können einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung von
Krebs ausüben. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Inhaltsstoffen, die das Risiko, an
Krebs zu erkranken, beträchtlich senken können (Tabelle 2).
Tabelle 1:Ergebnisse wissenschaftlicher Studien mit Hinweisen auf ein erhöhtes Krebsrisiko Tabelle 4:Verschiedene Krebsdiäten Krebsdiäten, deren Wirksamkeit wissenschaftlich nicht bewiesen werden konnten (grau Hinterlegte gehen mit gefährlichen Nebenwirkungen einher):• Milchsäurekost nach Kuhl
• Ernährungstherapie bei Krebspatienten nach Zabel
• Rote-Bete-
Therapie nach Schmidt
• "
Krebstherapie" nach Gerson
• Harnsäure-Diät nach Bircher-Benner
• Insulindiät nach Leupold
• makrobiotische Ernährungsweise nach Oshawa und Kushi
• Fastenkuren
Einige Kostformen entsprechen einer ausgewogenen, nährstoffreichen Ernährungsweise, können aber nicht als Krebsdiät gewertet werden. Nach dem derzeitigen Wissensstand gibt es keine Diät, die eine medizinische Behandlung des Tumors ersetzen kann. Vielmehr sollte das Augenmerk auf eine Kost gerichtet werden, die typische Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen einer
Krebstherapie berücksichtigt.
Nebenwirkungen von Krebstherapien und deren Auswirkung auf den Ernährungsstatus Die einzelnen Krebsarten unterscheiden sich hinsichtlich ihres Verlaufs, ihrer Aggressivität und daraus ableitend ihrer Behandlung (Operation, Strahlen-,
Chemotherapie, Knochenmarktransplantation).
Häufig löst eine
Chemotherapie dauerhafte Beschwerden an den Verdauungsorganen aus, die ihrerseits zu Ernährungsproblemen führen. Die Beschwerden werden dadurch ausgelöst, dass die
Therapie nicht nur die Tumorzellen selbst, sondern auch gesunde Zellen angreifen. Davon sind besonders rasch wachsende Körperzellen (Schleimhäute des Magen-Darm- Trakts) betroffen, woraus sich die typischen Beschwerden ergeben (Tabelle 5).
Tabelle 5: Mögliche Nebenwirkungen einer Chemotherapie Symptome• Appetitverlust
•
Übelkeit und Erbrechen
• Entzündungen der Schleimhäute
• Kau- und Schluckbeschwerden
• Beeinträchtigungen des Geschmackssinns
• Mundtrockenheit
•
Sodbrennen • Völlegefühl,
Blähungen • Bauchschmerzen
•
Durchfall und
Verstopfung •
Malabsorption (unzureichende Nährstoffaufnahme aus dem Darm)
• Störungen der Leberfunktion
•
Fieber Die Folgen einer
Strahlentherapie werden maßgeblich durch die Lokalisierung des Tumors, dem Umfang der bestrahlten Region sowie Dauer und Dosierung der
Bestrahlung bestimmt. Hierbei können sowohl die Nahrungsaufnahme als auch die Nahrungsverwertung beeinträchtigt sein (Tabelle 6).
Tabelle 6:Mögliche Nebenwirkungen einer StrahlentherapieSymptome
• Appetitverlust
• Mundtrockenheit
• Geruchs- und Geschmacksveränderungen
• Schleimhautentzündungen
•
Übelkeit und Erbrechen
•
Verstopfung und
Durchfall •
Malabsorption • Entzündungen der Organe bestrahlter Regionen (Entzündungen des Magen-Darm-Trakts, Blasenentzündungen)
Ernährungsempfehlungen bei Krebs In Folge der Gabe der von der Behandlungsform abhängigen Medikamente, treten verschiedene Nebenwirkungen auf, die das tägliche Essen und Trinken beeinflussen können. Davon zu unterscheiden ist die Form der Tumorevomedkachexie (Auszehrung), die durch eine drastische Gewichtsabnahme im Verlauf der
Therapie gekennzeichnet ist und unter Umständen zu einer lebensbedrohlichen Lage des Patienten führen kann. Dazu zählen unter anderem:
• Appetitlosigkeit,
Übelkeit, Erbrechen und
Durchfall • Abneigung gegen Fleisch und Wurst, später auch Milch und Eier
• Kau- und Schluckbeschwerden
• rasches Völlegefühl
In diesem Zusammenhang können Ernährungsempfehlungen, die auf eine ausgewogene Mischkost ausgerichtet sind, kontraindiziert sein, da diese Empfehlungen den Energiebedarf des Krebspatienten häufig nicht decken können.
Eine Ernährungstherapie ist dann sinnvoll, wenn sie Erkrankungsform, -verlauf und -stadium berücksichtigt beziehungsweise die Tumorart hinsichtlich ihrer Energieproduktion klassifiziert wurde und auf die jeweilige medizinische Behandlung sowie den Gesundheitszustand des Patienten abgestimmt ist!
Praxistips:• häufig kleine Mahlzeiten einnehmen (bis zu 8 Portionen täglich)
• langsam essen und intensiv kauen
• abwechslungsreich essen
• pflanzliche Fette und Öle verwenden
• leicht verdauliche Kohlenhydrate bevorzugen (Hirse, Breie, Reis, Vollkornnudeln, Knäckebrot, Vollkornzwieback und -flocken) und frisches Brot vermeiden
• reichlich trinken, am besten zwischen den Mahlzeiten (Kräutertees, Mineralwässer)
• Milchprodukte, Frischkäse und milde Käsesorten häufig verzehren
• Lebensmittel meiden, die nicht vertragen werden
• sehr fette und süße Speisen meiden (Paniertes, Pommes, Braten, Wurstwaren, Schokolade, fettes Gebäck und
Kuchen/Torten)
• gedünstetes Gemüse bevorzugen (Möhren, Kohlrabi, Zucchini, Spargel) und blähende Gemüse meiden (Erbsen,
Bohnen, Linsen, Kohl, Paprika)
• reifes Obst bevorzugen (Erdbeeren, Himbeeren, Bananen, Kernobst, Steinobst) und säurereiches Obst meiden
(Zitrusfrüchte, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Rhabarber)
• scharfe Gewürze meiden, ebenso geräucherte und gesalzene Waren
•
Kaffee meiden
Diese Empfehlungen entsprechen weitestgehend der Vollwertkost, die Verdauungsprobleme mildern und den Magen-Darm-Trakt schonen soll. Eine auf die Erkrankung
Krebs ausgerichtete Ernährungstherapie soll die Voraussetzungen für ein besseres Befinden schaffen, das heißt, den Allgemeinzustand des Patienten verbessern, den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, die Beschwerden einer Chemo- oder
Strahlentherapie mildern und die Heilungschancen verbessern sowie dem Risiko einer Wiedererkrankung vorbeugen und letztlich zu mehr Lebensqualität beitragen. Fazit: Im Vordergrund der Ernährungstherapie steht die Gewährleistung der Energieversorgung und die
Verhütung eines Nährstoffmangels sowie die Stärkung des Immunsystems und damit der körpereigenen Abwehr. In jedem Fall sollte eine Nahrungsergänzung oder aber bei besonders schwerwiegenden Fällen eine künstliche
Ernährung mit dem Arzt besprochen werden.
Ernährungsempfehlungen bei Nebenwirkungen der Krebstherapie im Verdauungstrakt Appetitlosigkeit,
Übelkeit und Erbrechen sind gefürchtete Nebenwirkungen der Chemo- und
Strahlentherapie. Diese sind Folge der direkten Wirkung der
Zytostatika auf das Brechzentrum im Gehirn - und nicht Folge der Medikamente auf den Magen - können aber auch psychische Ursachen haben. In solchen Fällen sind die Ernährungsrichtlinien auf die
Therapie abzustimmen. So genannte Antiemetika können gegen
Übelkeit und Erbrechen helfen. Neben Veränderungen des Geschmacksempfindens treten häufig auch Veränderungen des Sättigungs- und Hungerempfindens, Kau- und Schluckstörungen sowie
Fieber auf. Diese durch Entzündungen ausgelösten Symptome können bis zur totalen Erschöpfung körperlicher Ressourcen (Tumorkachexie) führen.
Praxistipps:
• Speisen mit starken Gerüchen vermeiden (kalte Speisen)
• appetitanregende Speisen bevorzugen
• möglichst nicht selbst kochen
• gut verträglich sind meist Gebäck, Kartoffelbrei, Apfelmus, Quark, Bananen
• nach dem Essen
Zähne putzen
• den Flüssigkeitsverlust ausgleichen (Mineralwässer, Tees; 2,5 bis 3 Liter täglich)
• vor dem Aufstehen trockenes Gebäck/ Brot essen, auch für zwischendurch geeignet
• viel und gut lüften
• bei Geschmacksveränderungen nachwürzen
• bei Entzündungen der Schleimhäute scharfe und salzige beziehungsweise geräucherte Lebensmittel meiden, ebenso
saures Obst
• nicht zu heiß essen
• bei Schluckbeschwerden weiche Speisen bevorzugen (Suppen, Breie, Milchprodukte, weiches Brot,
Sahnebeimischungen, Mixgetränke)
• bei
Durchfall und Erbrechen reichlich trinken, Haferschleim essen, frisches Obst und blähende Gemüse meiden
Ernährungsempfehlungen bei Tumorkachexie Chemo- und Strahlentherapien sowie chronische Krebserkrankungen sind häufig mit einem massiven Gewichtsverlust verbunden. Veränderungen des Hunger- und Sättigungsgefühls, ein veränderter Stoffwechsel des Körpers und
Fieber bzw. Entzündungen lassen eine optimale Versorgung des Körpers mit Nähr- und Wirkstoffen nicht mehr zu. Der Körper wird nicht ausreichend mit Energie versorgt. Zudem ist der Energieumsatz eines Krebspatienten in der Regel um das 2- bis 3-fache erhöht. Der Zustand der allgemeinen körperlichen Auszehrung mit einer drastischen Abnahme des Körpergewichts, Schwächung der körpereigenen Abwehr sowie Blutarmut (
Anämie) wird als Kachexie bezeichnet. Die Kachexie geht häufig mit einer Mangelernährung (Malnutrition) einher.
Für den enormen Gewichtsverlust kommen viele Gründe in Betracht. Der Energieumsatz eines Krebspatienten und das schnell wachsende Tumorgewebe erfordert eine höhere Nährstoffaufnahme. Bei Beeinträchtigungen des Magen- Darm-Trakts kommen Störungen der Nährstoffverwertung hinzu. Zudem nehmen die meisten Krebspatienten zu wenig Nahrung zu sich. Die Energie- und Nährstoffversorgung stellt somit das Hauptkriterium der
Ernährung von Kachexiepatienten dar. Eine fett- und eiweißreiche Kost gewährleistet eine hohe Kalorienaufnahme und beugt dem weiteren Abbau von wertvollem Muskelprotein vor. Auch ist auf die ausreichende Versorgung von Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen zu achten.
Praxistipps:
• Lebensmittelvorräte anlegen (von Lebensmitteln bei Appetit "verführen" lassen)
• den Tisch anregend decken und gestalten
• vollwertige Stärkeprodukte bevorzugen (Naturreis, Vollkornnudeln, Vollkornbrot und Hülsenfrüchte)
• fettreiche Lebensmittel verwenden (Käse, Sahne, Wurst, Nüsse und Samen)
• Milch und Milchprodukte verzehren
• Fleisch fettreich zubereiten (in Öl braten, panieren)
• Fettfische verzehren (Makrele, Lachs. Hering, Thunfisch)
• ausreichend Gemüse und Obst konsumieren (mit Öl servieren)
• Quellstoffe verwenden
• Ballaststoffe bei Durchfallerkrankungen bevorzugen
• reichlich trinken (Gemüse- und Obst, Säfte, Milchmixgetränke), am besten zwischen und nicht zu den Mahlzeiten
• Soßen mit geschlagenem Ei oder Sauerrahm anreichern
• regelmäßig Zwischenmahlzeiten einplanen, Snacks essen
Viele Tumorpatienten entwickeln im Laufe der
Krebstherapie eine Abneigung gegen Eiweißquellen. Gleichzeitig liegen aufgrund der Zerstörung der Tumorzellen erhöhte Harnsäurewerte vor. Damit steigt das Risiko, an Gicht zu erkranken. Harnsäure wird in Form von Purinen über die Nahrung aufgenommen. Bei dem Verzicht purinhaltiger Lebensmittel kann der Entstehung von Gicht vorgebeugt werden. Milch und Milchprodukte sowie Eier sind relativ purinarm, Fleisch und Fleischprodukte sowie Innereien dagegen reich an Purinen und daher zu meiden. Auch Alkohol sollte vermieden werden.
Künstliche Ernährung bei Krebspatienten Kann die Energie- und Nährstoffversorgung über eine normale Ernährungsweise nicht mehr gewährleistet werden, ist eine künstliche
Ernährung notwendig. Unter künstlicher
Ernährung versteht man die so genannte enterale
Ernährung mit Trink- oder Sondennahrungen oder die direkt ins Blutgefäßsystem verabreichte parenterale
Ernährung. Außerdem besteht die Möglichkeit die
Ernährung durch Supplemente oder Zusatznahrung anzureichern. Eine langfristige enterale
Ernährung findet in der Regel über Sonden statt. Sowohl die enterale als auch die parenterale
Ernährung sind im häuslichen Bereich unter Hinzuziehung so genannter Homecareteams möglich.
TKTL1-Ernährungstherapie – neue Therapiechance bei aggressiven Tumoren Gegenwärtig wird
Krebs als eine Krankheit angesehen, die durch Mutationen in Genen bedingt ist, welche das Wachstum und Absterben von Zellen kontrollieren. Die Fehlfunktion dieser mutierten Gene führt dazu, dass Krebszellen unkontrolliert wachsen können und nicht mehr absterben. Die zugrundeliegenden Mechanismen sind sehr vielfältig und intensiver Gegenstand der
Forschung. Sicher ist, dass sich besonders aggressive Tumorarten durch invasives Wachstum sowie Metastasenbildung auszeichnen. Warum nur bestimmte Tumorarten eine derartige Aggressivität aufweisen und welche zellulären Mechanismen eine Rolle spielen, konnte bislang nur in Ansätzen geklärt werden.
Der Stoffwechsel von Krebszellen Bereits 1924 fand der deutsche Nobelpreisträger Professor Dr. Otto Heinrich Warburg heraus, dass bestimmte Tumorzellen ihre Energie nicht auf normalem Weg - also nicht aus der Verbrennung von
Glukose (Traubenzucker) gewinnen, sondern
Glukose vergären. Dieser Stoffwechsel findet unter physiologischen Bedingungen nur in Abwesenheit von Sauerstoff statt. Dies lässt sich am Beispiel Muskelkater gut erklären. Bei einer Dauerbeanspruchung des Muskels nimmt der Sauerstoffvorrat ab und wird schließlich vollständig aufgebraucht. Bei einer weiteren Belastung kann
Glukose als Energielieferant daher nicht mehr verbrannt werden, sondern wird vergärt. Als Endprodukt entsteht Laktat (Milchsäure), welche die "Übersäuerungssymptome" hervorruft. Die Besonderheit der vergärenden Krebszellen liegt nun darin, dass diese auch in Anwesenheit von Sauerstoff
Glukose vergären können und damit ihre Energieversorgung gewährleisten. Warburg erklärte dies mit dem Abschalten der Mitochondrien, in denen letztlich die Verbrennung der
Glukose (Wasserstoff aus dem Glukoseabbau) statt findet. Wie und warum diese Tumorzellen die Glukoseverbrennung abschalten, konnte er jedoch nicht erklären.
Krebsforschers Doktor Johannes Coy lassen sich die Beobachtungen von Nobelpreisträger Warburg erklären. 1995 entdeckte er am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg das Enzym Transketolase-like 1 (TKTL1; Coy et al., 1996). Die Funktion dieses Enzyms konnte nun kürzlich entschlüsselt werden. Das TKL1- Enzym ist die Basis eines bisher nicht verstandenen vergärenden Glukosestoffwechsels (aerobe Glykolyse), mit dem verständlich wird, warum bei diesem Stoffwechselweg auch verfügbarer Sauerstoff nicht für die Verbrennung von
Glukose verwendet wird und statt dessen
Glukose zu Laktat vergoren wird (Coy et al., 2005; Langbein et al., 2006). Dieser neue Stoffwechsel stellt einen enormen Vorteil für die Krebszellen dar. Infolge der Vergärung von
Glukose und der damit verbundenen Energiegewinnung sichern sich die Krebszellen einen selektiven Vorteil, in dessen Folge sie sich unkontrolliert vermehren können, in andere Gewebe eindringen und metastasieren. Gleichzeitig werden die Zellen gegenüber vielen Chemo- und Strahlentherapien resistent (Tabelle 7).
Tabelle 7:
Selektive Vorteile vergärender Tumorzellen Vorteile • Die bei der Vergärung von
Glukose gebildeten Säuren Laktat (Milchsäure) und Kohlensäure führen zu einer Zerstörung des umgebenden Gewebes (Matrixdegradation). Dies ermöglicht den Tumorzellen in gesunde Gewebe einzudringen und zu metastasieren (Gatenby und Gawlinski, 2003).
• Das Abschalten der Mitochondrien in Tumorzellen führt zu Resistenzen gegenüber vielen Chemotherapeutika (Xu et al., 2005).
• Die Abhängigkeit dieser Tumorzellen von Sauerstoff nimmt dramatisch ab. Die Tumorzellen überstehen auch eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) im Gewebe.
• Tumorzellen in hypoxischen Regionen werden resistenter gegenüber einer
Strahlentherapie.
Neben den Vorteilen führt dieser Stoffwechselweg auch zu Schwachstellen für die Tumorzelle (Tabelle 8).
Krebszellen, die
Glukose vergären, sind auf
Glukose als alleinigen Treibstoff angewiesen. Weder Fruktose, noch
Proteine oder Fette können als Energielieferanten herangezogen werden, da in vielen TKTL1-positiven Zellen die Fettverbrennung (ß-Oxidation) abgeschaltet ist (Buzzai et al., 2005). Aufgrund dieser enormen Einschränkung sind die Tumorzellen empfindlich für einen Zelltod, der allein durch den Entzug von
Glukose ausgelöst werden kann.
Tabelle 8:
Nachteile vergärender Tumorzellen Nachteile • Diese Tumorzellen sind abhängig von der Glukoseversorgung, da nur
Glukose als Energiequelle herangezogen werden kann und damit die Lebensgrundlage dieser Zellen darstellt. Fruktose ist beispielsweise nur schwerlich für die Energiegewinnung nutzbar.
• Gleichzeitig wird in solchen Tumorzellen die Fettverbrennung abgeschaltet (Hemmung der ß-Oxidation). Diese Zellen können Öle/Fette nicht länger als Energiequelle nutzen.
• Im Vergleich zu einer
Glukose-verbrennenden Zelle muss eine
Glukose-vergärende Zelle etwa 20-30 mal mehr
Glukose aufnehmen, da die Effizienz der Energieausbeute wesentlich geringer ist.
Die Entdeckung von Coy erfordern, dass man
Krebs nach Art der Energiegewinnung künftig in zwei verschiedene Klassen unterteilen muß:
• Krebszellen, die
Glukose verbrennen (TKTL1- negativ)
• Krebszellen, die
Glukose vergären (TKTL1- positiv)
Durch den Nachweis des TKTL1-Enzyms in Tumorzellen können Krebspatienten identifiziert werden, bei denen eine Hemmung des Glukosestoffwechsels sinnvoll ist. In Zusammenarbeit mit der Urologin Sigrun Langbein sowie Medizinern aus Palermo und Freiburg fanden Dr. Coy und sein Team heraus, dass die
Prognose für Tumorpatienten, bei denen TKTL1-positive Zellen nachgewiesen wurden, sehr viel schlechter ist. Diese Ergebnisse wurden jüngst in der Ausgabe 94 (4): 578 – 585 des British Journal of Cancer 2006 veröffentlicht.
Im Rahmen eines neuartigen pharmakodiagnostischen Therapiekonzeptes soll dieser Stoffwechsel zukünftig in Tumoren detektiert und anschließend gezielt durch die Blockierung des Enzyms mit einem in der Entwicklung befindlichen Medikament gehemmt werden. Damit würde man der Zelle die Fähigkeit nehmen, Energie zu gewinnen. Leider werden bis zur möglichen Zulassung noch einige Jahre verstreichen.
Die TKTL1-Ernährungstherapie bietet schon jetzt eine Chance, in den Energiestoffwechsel vergärender Zellen einzugreifen. Sind TKTL1-positive Zellen im Tumor nachgewiesen, kann man über die TKTL1- Ernährungstherapie herkömmliche Therapien wie Chemo- und
Strahlentherapie sinnvoll unterstützen.
Bei der TKTL1-Ernährungstherapie handelt es sich erstmalig um einen Ansatz, durch eine gezielte
Ernährung das Wachstum von Tumorzellen zu beeinflussen. (Achtung: Nur wenn TKTL1-Enzymaktivität nachgewiesen wurde, sollte die Ernährungstherapie durchgeführt werden. Diese sollte in diesem Fall über einen Zeitraum von 3 Monaten konsequent verfolgt werden.)
Krebszellen die
Glukose vergären (TKTL1-positiv) haben eine Schwachstelle, auf die die Ernährungstherapie ausgerichtet ist. Sie sind abhängig von der Glukoseversorgung, weil in der Zelle die Fettverbrennung (ß-Oxidation) abgeschaltet ist. Fette und Öle können dann nicht mehr als Energiequelle genutzt werden.
Die TKTL1-Ernährungstherapie verfolgt das Ziel, die Tumorzellen von der Energieversorgung abzukoppeln (Substratlimitierung). Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass die kontinuierliche und ausreichende Versorgung des Organismus sowohl mit Energie als auch mit Vitaminen und Spurenelementen gewährleistet ist, wenn über einen längeren Zeitraum eine Substratlimitierung durch eine Einschränkung des Verzehrs von Kohlenhydraten und Zuckern vorgenommen wird.
Erlaubte kohlenhydrat- beziehungsweise zuckerfreie Nahrungsmittel im Rahmen der Ernährungstherapie (Tabelle 9).
Tabelle 9:
Erlaubte Lebensmittel im Rahmen der TKTL1-Ernährungstherapie Kohlenhydrat- und zuckerfreie Lebensmittel •
Mineralwasser, Leitungswasser
• Stengel- und Blattgemüse (z.B. grüner Salat, Brokkoli, Spinat, Gurken)
• Speiseöle, -fette
• laktosefreie Milch
• Joghurt pur
• Hartkäse, Weichkäse (Doppelrahmstufe)
• Fleisch und Fisch (unzubereitet)
• Eier
• einige Wurstsorten
•
Kaffee, Kräuter- und Schwarztee
Das Grundprinzip der TKTL1-Ernährungstherapie besteht darin, eine Abgabe von Blutzucker an Gewebezellen durch die Verwendung ausgewählter Nahrungsmittel zu verhindern. Die Blutzuckerregulation, also der Glukosegehalt im Blut, wird im menschlichen Organismus unter physiologischen Bedingungen gut gewährleistet. Der Verzehr von zuckerhaltigen Speisen führt kurzfristig zu einem Anstieg der Glukosekonzentration im Blut. Der Organismus schüttet daraufhin
Insulin aus, das die Aufnahme von
Glukose aus dem Blut in die Zellen ermöglicht. Die Glukosekonzentration im Blut normalisiert sich.
Sinkt dagegen der Zuckerspiegel im Blut unter einen bestimmten Wert, wird aus den Glykogenspeichern
Glukose freigesetzt und ins Blut abgegeben.
Bei einer
glukose- und kohlenhydratarmen
Ernährung werden zunächst die Glykogenspeicher vollständig geleert. Der menschliche Organismus stellt seine Energieversorgung auf die Verwertung von Ketonkörpern um. In dieser Stoffwechsellage wird kaum noch
Insulin ausgeschüttet, so dass die Blutglukose nicht mehr an die Zellen abgegeben werden kann. Die Blutglukosekonzentration bleibt deshalb weiterhin konstant.
Gewebezellen bleibt unter diesen Bedingungen nur die Möglichkeit, Ketonkörper als Energiequelle zu nutzen. Diese können im Körper unter anderem aus Eiweißen und Fett gebildet werden. TKTL1-positive Tumorzellen können Ketonkörper nicht nutzen, weil bei Ihnen die ß-Oxidation abgeschaltet ist. In diesem Versorgungszustand wird die Energiezufuhr der Tumorzelle unterbrochen. Ohne Energiezufuhr oder -gewinnung kann sich die Krebszelle nicht vermehren. Aufgrund der Unempfindlichkeit gegenüber vielen Chemotherapeutika ist es von großer Wichtigkeit, vor der Durchführung einer
Chemotherapie auf den TKTL1-Stoffwechsel zu prüfen. Im Falle TKTL1- positiver Zellen sollte parallel zu einer
Chemotherapie immer auch eine TKTL1-Ernährungstherapie durchgeführt werden, um einen optimalen Behandlungserfolg zu gewährleisten.
Eine
Chemotherapie greift zwar
Glukose-verbrennende Tumorzellen an, wirkt aber häufig nicht gegen
Glukose-vergärende Zellen (Xu et al., 2005). In diesem Fall verschafft eine
Chemotherapie den TKTL1-positiven Zellen einen Selektionsvorteil. Das Umschalten auf die Glukosevergärung verleiht den Tumorzellen eine Resistenz gegenüber vielen Chemotherapien. Da dieses Umschalten nur funktioniert, wenn ausreichend
Glukose vorhanden ist, kann durch eine Limitierung der Glukosezufuhr die Resistenzbildung vermindert werden. Werden die Tumorzellen mit ausreichend
Glukose gefüttert, können diese im Gegensatz zu Tumorzellen, die durch die
Chemotherapie vernichtet werden, schneller wachsen und sich folglich schneller ausbreiten. Hierdurch bedingt, nimmt die Zahl der TKTL1-positiven Zellen stetig zu, die Ansprechraten von Chemotherapeutika verschlechtern sich und die tumorfreie Zeit verkürzt sich. Der Tumor wird
invasiv, dringt in andere Gewebe ein und bildet
Metastasen.
Durchbrechung des Teufelskreislaufes durch eine gezielte Kombination aus Chemotherapie- und Ernährungstherapie Stets vor dem Hintergrund, dass TKTL1-positive Tumorzellen nachweisbar sind, existieren im Tumor zwei Typen von Tumorzellen. Diese unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Art der Energiegewinnung. Während die verbrennenden Zellen ihren Energiebedarf über die
Atmungskette der Mitochondrien abdecken, sind vergärende Zellen vollkommen unabhängig von TKTL1-Glukosevergärungsstoffwechsel. Therapiestrategien gegen die Mitochondrien oder die
Enzyme der
Atmungskette bleiben daher ohne Erfolg. Die Hoffnung liegt in der deutlichen Verbesserung der
Chemotherapie durch eine begleitende Ernährungstherapie.
1999 konnte in einer Studie aufgezeigt werden, dass sich die Vermehrung von Tumorzellen durch Transketolase-Hemmstoffe unterdrücken lässt. Komplementär hierzu führt die Aktivierung der Transketolase zu einer deutlichen Stimulierung des Tumorwachstums (Rais et al., 1999; Comin-AndiuX et al., 2001). Zu den Transketolaseinhibitoren zählt unter anderem das Oxythiamin. Oxythiamin ist ein Inhibitor des Enzyms Transketolase, das von der biologisch aktiven Form des Thiamins (Vitamin B1) abgeleitet ist. Es konnte bereits gezeigt werden, dass Thiamingaben das Tumorwachstum beschleunigen können. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass bei Vorhandensein von TKTL1- positiven Zellen bei der Einnahme von Thiamin Vorsicht geboten ist. Derzeit werden Hemmstoffe des TKTL1-Enzyms zu neuen Antikrebsmedikamenten entwickelt, mit denen es in der Zukunft möglich sein soll, die TKTL1-Transketolase und die damit einhergehende Glukosevergärung gezielt zu hemmen, um die Energieproduktion in den Tumoren zum Stillstand zu bringen.
Hinweis: Es wurden Produkte entwickelt, die eine Umstellung der
Ernährung nach den Prinzipien der TKTL1-Ernährungstherapie ("Coy- Prinzip") erleichtern. Die Produkte werden über die Firma Evomed MedizinService GmbH vertrieben. Informationen erhalten sie unter der Telefonnummer 0 61 51 /66 68 00 oder unter www.tavarlin.de
FazitEbenso wie die Entstehung von Krebserkrankungen immer eine Kette von Reaktionen darstellt, bestehen auch die
Krebsdiagnostik und -
therapie aus verschiedenen Bausteinen, die es zu berücksichtigen gilt. In Abhängigkeit der Tumorart und der sich daraus ergebenden Lebensgrundlage von Tumorzellen kann der Ernährungstherapie bei einer besonderen Gruppe von Krebspatienten eine neue Bedeutung zukommen. Die allgemeinen Ernährungsempfehlungen bei Krebspatienten setzen sich somit in Abhängigkeit von der Tumorart, der Schwere der Erkrankung, der auftretenden Nebenwirkungen der
Therapie, der Behandlungsform selbst sowie der individuellen Verfassung des Patienten zusammen. Nur bei Berücksichtigung der tumorabhängigen Folgeerscheinungen sind eine kontinuierliche Verbesserung des Ernährungsstatus beziehungsweise eine ausreichende Versorgung mit Energie, Nährstoffen und Wirkstoffen sowie optimale Heilungschancen gewährleistet.