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Beispiel 1Eine Patientin ist 62 Jahre alt und hat einen 3 cm großen hormonempfindlichen Tumor. Zwei Lymphknoten waren befallen, Her2 ist negativ, das
Grading wurde als G2 eingestuft. Die Patientin wird in die Gruppe mit mittlerem Risiko eingestuft. Es geht um die Frage einer antihormonellen
Therapie mit einem Aromatasehemmstoff für 5 Jahre und einer zusätzlichen
Chemotherapie.
Die Überlegungen zum Nutzen der vorgeschlagenen Therapien für Patientinnen mit diesen Merkmalen können so aussehen (Berechnung für Rückfallfreiheit nach 10 Jahren nach dem Programm
Adjuvant!, Zahlen gerundet):
• Rückfälle nach 10 Jahren ohne weitere Behandlung: 30 von 100 Patientinnen
• Rückfälle bei
Hormontherapie: 15 von 100
• Rückfälle bei zusätzlicher
Chemotherapie: 11 von 100
• Nutzen durch Aromatasehemmstoff: 15 Rückfälle pro 100 verhindert
75 statt 60 von 100 rückfallfrei
• Nutzen durch
Chemotherapie: zusätzlich 4 Rückfälle pro 100 verhindert
79 statt 60 von 100 rückfallfrei
Das bedeutet:• Unter 100 Patientinnen erleiden statt 30 nur 11 (mit
Chemotherapie) bis 15 (ohne
Chemotherapie) einen Rückfall.
• Die Behandlung verringert das Rückfallrisiko absolut um 15 bis 19 pro 100 Patientinnen, also um die Hälfte bis zwei
Drittel.
Es bedeutet auch:• 60 von 100 Patientinnen werden unnötig behandelt, weil sie sowieso keinen Rückfall erlitten hätten.
• 10 bis 15 von 100 werden erfolglos behandelt, weil sie trotz Behandlung einen Rückfall erleiden.
• 10 von 100 haben keinen Nutzen, weil sie an anderen Ursachen sterben.
• 7 Patientinnen müssen mit dem Aromatasehemmer behandelt werden, um unter 100 einen Rückfall zu verhindern.
• 25 Patientinnen müssen zusätzlich mit
Chemotherapie behandelt werden, um unter 100 einen Rückfall zu verhindern.
• Welche Patientinnen profitieren werden, lässt sich nicht sagen.
• Die Nebenwirkungen der
Therapie betreffen alle Patientinnen mehr oder weniger stark.
Fazit: Für diese Patientin lohnt sich eine antihormonelle Therapie, sie verhindert unter 100 Patientinnen 15 von 30 zu erwartenden Rückfälle. Der mögliche Nutzen einer zusätzlichen Chemotherapie ist im Vergleich dazu geringer. Darüber könnte man unter Abwägung von Nutzen und Nebenwirkungen diskutieren. •
Beispiel 2 Eine Patientin ist 56 Jahre alt und hat einen 4,5 cm großen, nicht hormonempfindlichen Tumor, 6 Lymphknoten waren befallen, das
Grading ist G3. Die Patientin wird in die Gruppe mit höherem Risiko eingestuft. Ihr wird eine intensive
Chemotherapie empfohlen. Eine antihormonelle
Therapie ist wegen der fehlenden
Hormonempfindlichkeit nicht sinnvoll.
Die Überlegungen zum Nutzen der adjuvanten
Therapie für Patientinnen mit diesen Merkmalen können so aussehen (Berechnung für Rückfallfreiheit nach 10 Jahren nach dem Programm
Adjuvant!, Zahlen gerundet):
• Rückfälle ohne weitere Behandlung nach 10 Jahren: 72 von 100 Patientinnen
• Rückfälle bei
Chemotherapie 45 von 100
• Nutzen durch
Chemotherapie 27 Rückfälle pro 100 verhindert
• Rückfallfrei mit
Chemotherapie: 51 von 100 (27 mehr als ohne
Therapie)
Das bedeutet:• Unter 100 Patientinnen erleiden durch die
Chemotherapie statt 72 nur 45 einen Rückfall, 27 haben also einen Vorteil.
• Das Rückfallrisiko wird durch
Chemotherapie um absolut 27% (von 72 auf 45 von 100) verringert.
• 4 Patientinnen müssen behandelt werden, damit unter 100 ein Rückfall verhindert wird.
Es bedeutet auch:• 24 von 100 Patientinnen werden unnötig behandelt, weil sie sowieso keinen Rückfall erlitten hätten.
• 45 von 100 werden erfolglos behandelt, weil sie trotz Behandlung einen Rückfall erleiden.
• 4 von 100 haben keinen Nutzen, weil sie an anderen Ursachen sterben.
• Alle behandelten 100 Patientinnen werden mehr oder weniger unter den Nebenwirkungen der
Therapie leiden.
• Welche Patientinnen profitieren werden, lässt sich nicht sagen.
Fazit: Für diese Patientin lohnt sich die adjuvante Chemotherapie auf jeden Fall, da sie das ohne weitere Behandlung sehr hohe Rückfallrisiko um mehr als ein Drittel verringern kann.letzte Aktualisierung: 04.02.2012