Medikamentöse Therapie, Chemotherapie oder OperationGenerell gilt als Anhaltspunkt, dass bei einem Rückfallrisiko von unter 10% - also in weniger als 10 von 100 vergleichbaren Fällen – innerhalb von 10 Jahren eine adjuvante Behandlung nicht empfehlenswert ist: Zu wenige Patientinnen hätten einen Nutzen davon, und zu viele würden unnötig behandelt und dabei doch unter den unerwünschten Wirkungen leiden.
Gehört eine Patientin zur Gruppe mit niedrigem Risiko, das aber doch höher als 10% in 10 Jahren liegt, wird man ihr (meist) eine alleinige antihormonelle
Therapie empfehlen – vorausgesetzt, ihr Tumor ist hormonempfindlich oder lässt zumindest ein gewisses Ansprechen aufantihormonelle
Therapie erwarten. Von einer
Chemotherapie kann abgesehen werden, da diese keine oder allenfalls eine ganz geringfügige Verbesserung der Heilungschancen mit sich bringen würde, die die Nebenwirkungen der
Chemotherapie nicht rechtfertigt.
Recht klar ist auch die Therapieempfehlung für die Patientinnen mit hohem Rückfallrisiko: Sie profitieren von einer
Chemotherapie und, in Abhängigkeit von der
Hormonempfindlichkeit, auch von einer antihormonellen Behandlung.
Schwieriger ist die Entscheidung bei Patientinnen in der mittleren Risikogruppe bei stark Hormonrezeptor-positivem Tumor. Hier ist es wichtig, das gesamte Risikoprofil im Zusammenhang zu betrachten und mit der Patientin zu besprechen. Möglicherweise kann man auf eine
Chemotherapie verzichten,weil sie weniger wirksam ist als bei hormonunempfindlichen Tumoren, und eine alleinige antihormonelle
Therapie durchführen. Ist das Ansprechenauf eine antihormonelle
Therapie jedoch ungewiss, wird man sowohl eine
Chemotherapie als auch eine antihormonelle
Therapie empfehlen, bei Hormonunempfindlichkeit nur eine
Chemotherapie.
Eine antihormonelle Behandlung ist nur bei hormonempfindlichen Tumorensinnvoll, eine
Chemotherapie zeigt die deutlichste Wirksamkeit bei hormonunempfindlichen Tumoren. Neu ist die Einbeziehung des Her2-Status in die Therapieplanung: Bei starker Ausprägung des von Her2neu-Rezeptors erhalten die Patientinnen in der Gruppe mit mittleremund hohem Risiko zusätzlich den Her2-
Antikörper Trastuzumab (
Herceptin®), derzeit für ein Jahr. Mehrere große
Studien haben gezeigt, dass diese Behandlung das Rückfallrisiko deutlich zusätzlichsenken kann.
Die größte Herausforderung ist die Frage, welche Patientin mit hormonempfindlicher Erkrankung und mittlerem Rückfallrisiko ohne Lymphknotenbefall einen Nutzen von einer
Chemotherapie haben kann. Denn einerseits ist die
Chemotherapie hier weniger wirksam, andererseits verbergen sich in dieser Gruppe Tumoren mit sehr unterschiedlichem biologischem Verhalten. Hier hoffen die Wissenschaftler auf die Unterstützung durch neue prognostische und prädiktive Faktoren, wie z.B. uPA/PAI-1 oder Genprofile, die eine Unterscheidung ermöglichen.
Als wegweisend für die Behandlungsplanung gilt heute die Frage, auf welche
Therapie die Erkrankung ansprechen wird. Deshalb erhalten alle Frauen mit hormonempfindlichem Tumor– außer eventuell bei sehr niedrigem Rückfallrisiko - grundsätzlich eine antihormonelle
Therapie – sie wirktgezielt gegen die Wachstumsreize durch
Östrogen. Das gleiche gilt für Her2-positive Tumoren: Hier blockiert Trastuzumab ebenso gezielt einen wichtigen Wachstumsreiz. Weniger klar ist heute, welche Patientin von welcher
Chemotherapie profitieren kann.
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letzte Aktualisierung: 11.02.2010