von Paul L. Janssen
Unter artifiziellen Störungen versteht man eine Gruppe von Erkrankungen, deren zentrale Symptomatik darin besteht, körperliche und/oder psychische Krankheitssymptome vorzutäuschen, zu aggravieren (verschlimmert darstellen) oder künstlich zu erzeugen, um auf diese Weise Aufnahme in Krankenhäuser (medizinische Behandlungen, insbesondere invasive Maßnahmen, Operationen, aufwendige diagnostische Eingriffe) zu erreichen.
Artifizielle Störungen können in jedem medizinischen Fachgebiet mit vielfältigen Symptomen vorkommen. Häufige artifizielle Symptome sind:
Bei vielfältigen invasiven Maßnahmen, unklaren rezidivierenden Symptomen, wiederholten Wundheilungsstörungen und Abzessen sollte immer auch an eine artifizielle Störung gedacht werden. Wichtig ist auch die Fremdanamnese, wobei häufig Familienmitglieder in die Verleugnung der Selbstschädigung einbezogen sind.
Die Störungen werden nach IDC-10 unter F 68.1 klassifiziert. Es liegt häufig Komorbidität mit Persönlichkeitsstörungen, dissoziativen Störungen, Essstörungen und Suchtmittelmissbrauch vor. Auch schwere Somatisierungsstörungen können vorkommen.
Ein besonderes Problem ist die pathologische Arzt-Patient-Interaktion. Ärzte verleugnen lange Zeit gewissermaßen gemeinsam mit dem Patienten die Selbstschädigung und geraten in einen komplexen Konflikt aufgrund verinnerlichter berufsethischer Normen, unbewusster Manipulation durch die Patienten und unbewusst motiviertem professionellen Handeln.
In schweren Fällen kommen nur psychodynamische oder kognitiv-behaviorale Therapien, insbesondere auch im stationären Rahmen in Frage.
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