Aortenklappenrekonstruktion
Bei der Aortenklappenrekonstruktion handelt es sich um eine Operation, bei der die undichte (insuffiziente) Aortenklappe in ihrer Form und Funktion wieder hergestellt wird ohne die Klappe zu ersetzen. Im Vergleich zum Klappenersatz hat die Aortenklappenrekonstruktion die geringste Wahrscheinlichkeit klappenassoziierter Komplikationen.
Hintergrund zur Aortenklappenrekonstruktion: Erkrankungen der Aortenklappe
Jedes Jahr benötigen in Deutschland mehr als 12 000 Menschen eine Operation an der schwer erkrankten Aortenklappe. Etwa 20 % dieser Operationen sind erforderlich, weil die Klappe eine schwere
Insuffizienz, d.h. Undichtigkeit aufweist.
Das
Herz benötigt für seine Funktion das Zusammenspiel von Herzmuskel und Herzklappen. Die wichtigsten Herzklappen sind die des linken Herzens: die Einlassklappe (Mitralklappe) und die Auslassklappe (Aortenklappe).
Die häufigsten Störungen betreffen die Aortenklappe, die sich im Übergang von linker Hauptkammer (Ventrikel) zur Hauptschlagader (Aorta) befindet. Diese Klappe ist im Anfangsteil der Aorta an der Aortenwand aufgehängt. Sie besteht normalerweise aus 3 Taschen, die sich beim Auswerfen des Blutes öffnen und in der Füllungsphase des Herzens schließen.
Die Aortenklappe kann eine Verengung (
Stenose), eine Undichtigkeit (Insuffizienz) oder eine Kombination der beiden Störungen entwickeln. In 50 % der Fälle findet sich begleitend eine Aufweitung der aufsteigenden Aorta (Aorta ascendens), die bewirkt, dass die Taschen der Aortenklappe sich nicht mehr ausreichend berühren und somit nicht mehr dicht schließen können. Sehr häufig sieht man begleitend oder als einzige Ursache der Insuffizienz eine Verformung einer oder mehrerer Taschen, durch die die Geometrie der Klappe gestört ist.
Warum kann eine Aortenklappenrekonstruktion nötig werden? – Ursachen und Symptome der Aortenklappeninsuffizienz
Verschiedene Ursachen können zur Insuffizienz (Undichtigkeit) der Aortenklappe führen. Bei Menschen unterhalb des 50. Lebensjahres ist eine Anlagestörung der Aortenklappe die häufigste Ursache, bei der die Klappe nicht aus 3, sondern nur aus 2 Taschen besteht. Eine Verformung der Klappe kann folgen, die dann im Laufe von Jahren oder Jahrzehnten undicht wird.
Bei Menschen oberhalb des 50. Lebensjahres sind Verformungen der Taschen im Rahmen von Bindegewebsverschleiß die wichtigste Ursache, häufig kommt ursächlich oder begleitend eine Vergrößerung der Aorta (Hauptschlagader) dazu. Das Schrumpfen der Klappe, z.B. als Folge eines rheumatischen Fiebers ist heute selten.
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| Formen von Aortenklappen. Links ist eine normale Aortenklappe mit 3 Taschen, üblicherweise als trikuspide Klappe bezeichnet. Rechts eine Klappe, bei der bereits von Geburt an 2 Taschen miteinander verwachsen sind, so dass effektiv nur 2 Taschen vorhanden sind. Man bezeichnet sie als bikuspide Klappe. |
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Das führende Symptom der Aortenklappeninsuffizienz ist Luftnot, die zunächst unter Belastung, später auch in Ruhe auftritt. Da Menschen dazu neigen, sich an langsame Veränderungen anzupassen, wird die Luftnot oder auch die resultierende nachlassende Leistungsfähigkeit oft als erstes von anderen aus dem direkten Umfeld bemerkt. Eine zunehmende Müdigkeit als Folge körperlicher Arbeit wird gelegentlich empfunden. Seltener ist das Auftreten von Schmerzen des Brustkorbs, die dem Herzen zugeordnet werden. Es gibt Menschen, die trotz erheblicher Belastung des Herzens keine Symptome empfinden, und bei denen nur die
Echokardiographie Ausmaß und Bedeutung des Klappenschadens klar aufzeigt.
Die Aortenklappeninsuffizienz wird bei den meisten Betroffenen über eine längere Zeit toleriert, Der linke Ventrikel wird muskelkräftiger und vergrößert sich, um die Belastung des zurückfließenden Blutes aufzufangen. Nach Jahren entwickeln sich dann Veränderungen, die anzeigen, dass die Reserven des Herzens zur Neige gehen. Dies bedeutet häufig, dass der Betroffene oder ein Mensch aus seiner Nähe feststellt, dass die körperliche Leistungsfähigkeit langsam nachlässt oder bei gleicher Belastung vermehrt Luftnot auftritt. Bei anderen stellt man in Abwesenheit von selbst empfundenen Symptomen mit Echokardiographie (Herzecho) fest, dass der linke Ventrikel in seiner Kontraktionskraft eingeschränkt ist oder eine ausgeprägte Vergrößerung entwickelt hat. All diese Veränderungen bedeuten, dass der Klappenfehler nicht mehr harmlos ist, sondern dass nun ein Risiko von Herzversagen besteht und die Lebenserwartung eingeschränkt ist. Zu diesem Zeitpunkt besteht dann die Notwendigkeit einer Operation der kranken Aortenklappe.
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Ziele der Aortenklappenrekonstruktion
Das Ziel der Operation ist es, die Aortenklappe in ihrer Form und Funktion vollständig oder zumindest weitgehend zu normalisieren. Damit wird die Herzfunktion normalisiert, der Patient bemerkt nahezu immer dass seine Leistungsfähigkeit gebessert und die Symptome vermindert oder beseitigt werden. Im Vergleich zu Ersatzverfahren der Aortenklappe sollen diese Ziele mit geringer Wahrscheinlichkeit von langfristigen Nebenwirkungen erreicht werden.
Hinweise vor der Aortenklappenrekonstruktion
Die Aufklärung beinhaltet alle wesentliche Vor- und Nachteile einschließlich möglicher Risiken für den individuellen Patienten. Selbst wenn eine Rekonstruktion mit hoher Wahrscheinlichkeit durchführbar sein wird, so können sich bei der Operation überraschende Aspekte ergeben, die eine neue Entscheidung erforderlich machen. Es ist somit wichtig, neben der geplanten Aortenklappenrekonstruktion auch eines der möglichen Ersatzverfahren als Ausweich-Plan zu besprechen (siehe "Alternative Methoden").
letzte Aktualisierung: 24.05.2013
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