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Anxiolytika und Hypnotika - Hintergrund

von Gitta Jacob und Prof. Dr. med. Klaus Lieb

Was sind Anxiolytika und Hypnotika?

Als Anxiolytika bezeichnet man Substanzen, die angst- und spannungslösend wirken. Als Hypnotika (Schlafmittel) bezeichnet man dagegen alle Medikamente, die Schlaf erzeugen. Früher hat man diese Medikamente auch als „Sedativa“ oder „Tranquilizer“ bezeichnet. Die wichtigste Medikamentengruppe der Anxiolytika und Hypnotika sind die Benzodiazepine, die v.a. wegen ihres hohen Missbrauchs- und Abhängigkeitspotenzials problematisch in der Anwendung sind.

Welche Anxiolytika und Hypnotika gibt es?

Die wichtigsten Medikamentengruppen sind:

Benzodiazepine

Dazu gehören z.B. Lorazepam (Tavor®), Diazepam (Valium®), Alprazolam (Tafil®) und Oxazepam (Adumbran®). Sie wirken angstlösend und affektiv entspannend sowie müdemachend (sedierend) und schlafanbahnend (hypnotisch). Darüber hinaus wirken sie muskellockernd, weshalb sie z.B. als Musaril® auch bei starken Muskelverspannungen und Spastiken eingesetzt werden. Wegen ihrer Wirksamkeit gegen Krampfanfälle werden sie in der Neurologie auch als Antiepileptika eingesetzt. In der Psychiatrie und Psychotherapie werden Benzodiazepine zur Akutbehandlung von Angst-/Panikattacken, bei schweren Depressionen mit Ängsten und Unruhezuständen, bei schweren Angst- und Erregungszuständen im Rahmen einer Schizophrenie oder Manie und zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt. Wegen der hohen Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung dürfen diese Medikamente nur kurzfristig eingesetzt werden (Regelbehandlungsdauer maximal 6 Wochen). Allerdings werden sie immer noch recht unkritisch verschrieben, auch wenn z.B. bei Schlafstörungen Psychotherapie oder nicht-abhängig-machende Medikamente wie müdemachende Antidepressiva (z.B. Stangyl® oder Aponal®) oder schwache Neuroleptika (z.B. Atosil® oder Eunerpan®) eine gute Wirksamkeit zeigen. Weitere Nebenwirkungen sind Konzentrationsstörungen und Verlangsamung der Reaktionszeit, weshalb die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt ist!

Nicht-Benzodiazepine

Zu diesen rein als Schlafmittel eingesetzten Medikamente gehören Ximovan® (Einsatz wegen relativ langer Wirkdauer bei Ein- und Durchschlafstörungen), Stilnox® und Bikalm® (Einsatz wegen kürzerer Wirkdauer bei Einschlafstörungen) und Sonata® (wegen sehr kurzer Wirkdauer auch noch bei nächtlichem Aufwachen einnehmbar). Diese Medikamente führen insgesamt seltener zu einer Abhängigkeitsentwicklung. Sie sind in der Regel sehr gut verträglich, sollten aber auch immer nur vorübergehend eingenommen werden.

Andere Anxiolytika und Hypnotika

ß-Blocker werden v.a. bei Ängsten eingesetzt, die mit ausgeprägten körperlichen Symptomen einhergehen oder die situationsabhängig sind, z.B. Examensangst oder „Lampenfieber“. Dosierung: z.B. 10 - 120 mg Propranolol (Dociton®). Eine Abhängigkeitsentwicklung ist nicht zu befürchten. Zur Behandlung von Angststörungen werden auch Antidepressiva (v.a. die selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) eingesetzt (s. Kap. 4.1). In der Behandlung von Schlafstörungen gelingt es häufig, gerade bei leicht ausgeprägten Schlafstörungen mit Verhaltensänderungen und pflanzlichen Präparaten (Hopfen- und Baldrianpräparate) auszukommen. Zu den frei im Handel erhältlichen Hypnotika gehören auch bestimmte Antihistaminika wie z.B. Diphenhydramin (Dolestan®, Emesan ®, Vivinox®) oder Doxylamin (Gittalun®, Sedaplus®). Deren schlafinduzierende Wirkung ist gegenüber den eigentlichen Hypnotika relativ gering und sie sind deshalb bei leichten Schlafstörungen indiziert. Als Einschlafmittel kann auch das Chloralhydrat (Chloraldurat®) eingesetzt werden. Die schlaffördernde Wirkung setzt bei einer Dosis von 0,5 - 2 g ein und hält etwa 5 Stunden an. Nach regelmäßiger Einnahme setzt bald ein Wirkungsverlust auf. Patienten mit Erkrankungen von Magen/Darm, Leber oder Herz dürfen Chloralhydrat nicht einnehmen. Abhängigkeitsentwicklungen können auftreten.

letzte Aktualisierung: 07.05.2013

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