
Asthma, medizinisch Asthma bronchiale ist neben kurzfristigen Erkrankungen wie Husten und Schnupfen eine der häufigsten Erkrankungen des menschlichen Atemsystems.
Der Begriff Asthma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „keuchen“. Bei Asthmatikern reagieren die Luftwege (Bronchien) im Gegensatz zu gesunden Personen auf bestimmte Reize (z.B. Kälte, Anstrengung oder Allergene) überempfindlich. Dies wird als hyperreagibles Bronchialsystem bezeichnet. Die Bronchien verkrampfen und verengen sich, der Betroffene kann die eingeatmete Luft nicht mehr richtig ausatmen und leidet unter Atemnot. Bei einem Asthmaanfall hört sich die Atmung des Betroffenen sehr typisch an: Der Arzt spricht hierbei von einer giemenden und pfeifenden Atmung. In Deutschland sind schätzungsweise 4–5% der Erwachsenen betroffen, bei Kindern geht man sogar von inzwischen von 10% aus. Die Zahl der Betroffenen ist dabei ansteigend.
Die Lunge besteht aus zwei Lungenflügeln, die gut geschützt im knöchernen Brustkorb liegen, der von den Rippen, dem Brustbein und der Wirbelsäule gebildet wird. Gegen die Bauchhöhle wird er durch das Zwerchfell, den wichtigsten Atemmuskel abgeschlossen. Die Lungenflügel sind in 2 Lungenlappen (Lobus) auf der linken Seite und 3 Lungenlappen auf der rechten Seite mit weiteren Untersegmenten unterteilt.
Die Innenfläche des Brustkorbs ist vom Rippenfell (Pleura) ausgekleidet. Zwischen der Lungenoberfläche, die ebenfalls von Pleura überzogen ist und dem Rippenfell befindet sich ein dünner Spalt (Pleuraspalt), der mit wenig Flüssigkeit gefüllt ist. Wegen dieses Flüssigkeitsfilmes kann die Lunge nicht von der Brustwand abheben, sondern sie gleitet nur an ihr entlang. Vergrößert sich der Brustraum, so folgen die Lungen der Ausweitung des Raumes, es kommt zur Einatmung.
In der Lunge findet der Gasaustausch statt, also die Aufnahme von Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid. Der eingeatmete Luftsauerstoff wird von roten Blutkörperchen aufgenommen, zu den Körperzellen transportiert, wo er für die energieliefernden Prozesse die in jeder Körperzelle ablaufen, benötigt wird. Bei diesen Prozessen werden als Endprodukte Kohlendioxid und Wasser gebildet, die durch Ausatmung wiederum über die Lunge abgegeben werden.
Die eingeatmete Luft gelangt zunächst in die Luftröhre (Trachea), die etwa 12 cm lang vom Kehlkopf hinunter in den Brustkorb zieht. In dem Mediastinum genannten Raum, der zwischen den beiden Lungenflügeln liegt, teilt sich die Luftröhre in die beiden Hauptbronchien. An der Lungenwurzel treten sie jeweils in einen der beiden Lungenflügel und teilen sich weiter in immer kleinere Bronchialäste, die Bronchiolen.
Am Ende dieser Äste schließlich sitzen die Lungenbläschen, die Alveolen, durch deren Wände Sauerstoff ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid umgekehrt abgegeben wird. Für beide Lungen zusammen rechnet man zwischen 300 und 750 Millionen Lungenbläschen, die eine Fläche von ca. 200 m2 für den Gasaustausch darstellen.
An einer dieser Asthma-Formen leiden jeweils etwa 10% aller Patienten, die restlichen 80% haben eine Mischform. Im Alter über 45 Jahre überwiegt das Infektasthma, im Kindes- und Jugendalter das rein allergische Asthma, das in den letzten Jahren stetig an Häufigkeit zunimmt. Etwa 15% der Bevölkerung haben eine unspezifische bronchiale Überempfindlichkeit, welche irgendwann zu Asthma führen kann.
Häufig findet sich bei Patienten mit Asthma bronchiale eine Veranlagung zu einem überempfindlichen (hyperreagiblen) Bronchialsystem. Diese Veranlagung ist zum Teil genetisch bedingt und wird auf die Kinder vererbt. Sind beide Eltern Asthmatiker, entwickelt das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60% ebenfalls Asthma.
Eine Reihe von Ursachen wird für die Überempfindlichkeit der Atemwege verantwortlich gemacht. Der Mechanismus ist jedoch noch nicht vollständig geklärt. Das exogene oder allergische Asthma wird häufig durch Substanzen wie z.B. Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare ausgelöst. In diesen Fällen liegt eine Allergie gegen bestimmte Substanzen vor, die zu einer spezifischen Immunreaktion führt. Auch im beruflichen Umfeld können Allergie auslösende Stoffe (Allergenen) von Bedeutung sein. Besonderes Augenmerk gilt Berufen wie Bäcker, Maler und Lackierer, Schreiner, Friseur. Diese Personengruppen werden tagtäglich mit Substanzen konfrontiert, welche teilweise hochgradig Allergie auslösend sind (Holzstaub, Mehl, Farben etc.).
Beim endogenen bzw. intrinsischen Asthma sind die Ursachen nicht genau bekannt. Es tritt gehäuft auf bei Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure oder ß-Blocker), beim Einatmen bestimmter Substanzen (Tabakrauch, Schmutzpartikel in der Luft, Arbeitsstoffe), bei viralen Infektionen und bei körperlicher Belastung, vor allem in Kombination mit feuchter, kalter Luft (Belastungsasthma). Hinzu kommen psychische Faktoren.
Unter Asthma bronchiale leiden auch Kinder häufig. Jedes zehnte Kind leidet unter der anfallsartig auftretenden Atemnot. Die Krankheit zeigt sich häufig im Alter von zwei bis vier Jahren, wenn die Kinder unter wiederkehrenden Infektionen leiden. Doch manche müssen bereits als Säuglinge gegen die quälende Atemnot ankämpfen.
Kinder leiden meist an Asthma, das durch eine Allergie ausgelöst wird und zu einer chronischen Entzündung im Bereich der Atemwege führt. Demnach ist bei Kindern eine konsequente Suche nach dem Allergen sinnvoll. Ist das Allergen bekannt, sollte man versuchen, dieses soweit wie möglich zu meiden. Fachleute sprechen hierbei von Allergenkarenz.
Kinder müssen sich gut mit ihrer Krankheit auskennen und akzeptieren lernen, dass bestimmte Dinge für sie gefährlich sind. Wichtigster Grundsatz ist, die Kinder zu schulen, ohne ihnen Angst zu machen. Eine professionelle Asthmaschulung nach modernen Grundsätzen ist unerlässlich. Aber auch die Eltern dürfen keine Angst haben und müssen gut informiert sein, damit sie ihrem Kind bei einem Anfall hilfreich zu Seite stehen können. Bei schwerem Asthma werden Kinder mit den gleichen Medikamenten behandelt wie Erwachsene.
Gerade bei Kindern ist es wichtig, die Asthma-Therapie so einfach und effektiv wie möglich zu gestalten. Abbildungen eignen sich gut, um den richtigen Einsatz der Medikamente zu veranschaulichen. Spezielle Schulungen und Bücher für Kinder geben hierfür Tipps. Je nach Alter wird statt der Inhalation ein elektrischer Düsenvernebler eingesetzt. Solche Geräte sind allerdings recht unpraktisch, schlecht zu transportieren und von einer Stromquelle abhängig. Zudem müssen die Kinder hierbei relativ viel Zeit für die Arzneimitteleinnahme aufwenden.
Aber trotz dieser Schwierigkeiten bei der Asthma-Therapie mit Medikamenten darf diese nicht vernachlässigt werden. Die Kinder müssen bestmöglich vor Anfällen geschützt werden und sollten deshalb regelmäßig die erforderlichen Medikamente einnehmen. Besonders wichtig ist es, durch eine ausreichende medikamentöse Therapie den Schlaf der Kinder zu sichern. Denn zusätzlich zu den quälenden Hustenattacken und Atemnotanfällen führt der Schlafmangel oft zu Leistungseinbrüchen während des Tages. Schulprobleme können die Folge sein.
| Autor -
Dr. med. Gerlinde Souza-Offtermatt Ärztin und Medizinjournalistin |
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