Behandlung der Agoraphobie
Die wesentlichen Elemente der Behandlung der Agoraphobie mit oder ohne Panikstörung sind die Psychotherapie und die medikamentöse Behandlung. Es muss jeweils im Einzelfall entschieden werden, in welcher Form die beiden Behandlungselemente eingesetzt werden. In vielen Fällen entscheidet man sich in der Praxis für eine Kombination beider Behandlungsverfahren.
Kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung der Agoraphobie
Die Psychotherapie wird in der Regel mit kognitiver Verhaltenstherapie vorgenommen. Eine wichtige Technik ist dabei die Vermittlung eines logisch nachvollziehbaren Modells der Entwicklung und Aufrechterhaltung der Störung, wobei der Agoraphobie-Patient erkennt, dass er seine körperlichen Symptome häufig in katastrophisierender Form deutet, obwohl eine ganz andere Erklärung mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffend ist. So interpretiert typischerweise ein Agoraphobie-Patient den schnellen Herzschlag und die Kurzatmigkeit, nachdem er eine Treppe hoch gegangen ist, als Vorbote eines Herzinfarkts, obwohl wiederholte Untersuchungen vorher gezeigt haben, dass er herzgesund ist. Aus diesem Grund fühlt der Patient sich durch genannte Symptome bedroht, bekommt mehr Körpersymptome und der sogenannte Teufelskreis der Angst nimmt seinen Lauf. Eine logische und sinnvolle Erklärung in dieser Situation wäre die folgende: Die körperlichen Symptome hängen damit zusammen, dass der Körper bei erhöhter Kraftanstrengung einen erhöhten Bedarf an Sauerstoff hat, der über den Blutkreislauf transportiert werden muss. Diese Erklärung kann sich der ängstliche Patient aber zunächst selbst nicht geben.
Expositionsbehandlung der Agoraphobie
Nachdem der Agoraphobie-Patient gelernt hat, diese irrationalen Gedanken zu erkennen und ihnen andere Gedanken entgegen zu setzen, ist ein weiterer zentraler Baustein der kognitiven Verhaltenstherapie die Expositionsbehandlung. Hierbei handelt es sich um die wiederholte Konfrontation mit angstauslösenden Situationen und Reizen mit dem Ziel, dass eine Gewöhnung eintritt und im Laufe der Zeit die heftige körperliche Angstreaktion nachlässt und schließlich verwindet. Letztlich muss der Agoraphobie-Patient lernen, dass Angst nie durch Vermeidung einer angstauslösenden Situation verschwindet, sondern nur durch die wiederholte erfolgreiche Bewältigung im Rahmen einer Konfrontation.
Diese Veränderung lässt sich an einem Beispiel veranschaulichen. Steigt man nach einem Autounfall am nächsten Tag erneut ins Auto und fährt den gleichen Weg, so wird man vermutlich erst einmal sehr angespannt und ängstlich sein, weil man befürchtet, es könnte erneut ein Unfall passieren. Wird man diesen Weg die nächsten Wochen immer wieder fahren, ohne dass etwas passiert, wird die Anspannung bald nachlassen und nach geraumer Zeit wird im Vergleich zu anderen Strecken keine erhöhte Anspannung vorhanden sein, weil ein Gewöhnungseffekt eingetreten ist. Die Angst wäre nicht verschwunden, wenn der Patient sich im Anschluss an den Unfall nicht mehr ins Auto gesetzt hätte bzw. die Unfallstrecke nicht noch einmal gefahren wäre.
Medikamentöse Behandlung der Agoraphobie
Als Medikamente der ersten Wahl bei Agoraphobie haben sich antidepressive Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bewährt (abgekürzt SSRI für engl. Selective Serotonin Reuptake Inhibitor), weil sie relativ gut verträglich sind und keine Abhängigkeit verursachen. Dazu gehören z.B. die Wirkstoffe Citalopram, Sertralin und Paroxetin. Aber auch
Antidepressiva anderer Wirkstoffgruppen kommen bei Agoraphobie in Frage, haben aber bei ähnlicher Wirksamkeit häufig mehr Nebenwirkungen.
Vorsicht ist geboten bei dem Einsatz von direkt angstlösenden Medikamenten aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine (z.B. Lorazepam, Diazepam). Kurzfristig haben sie eine hervorragende Wirksamkeit, weil sie schon kurz nach der Einnahme eine deutliche Minderung der Angst bewirken. Längerfristig führen sie aber zu einer Abhängigkeit, die nur schwer behandelbar ist.
letzte Aktualisierung: 18.06.2013
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