Ernährung bei Diabetes mellitus
Die richtige Ernährung ist zentral für die Diabetes-Behandlung. Bei den heutigen Ernährungsempfehlungen wird allerdings kaum ein Unterschied zwischen Diabetikern und dem Rest der Allgemeinbevölkerung gemacht. In der Folge muss für Diabetiker nicht extra gekocht werden. Im Wesentlichen wird eine Vollwertkost mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten empfohlen. In Abhängigkeit von Diabetes-Typ und speziellen Bedürfnissen können und müssen die allgemeinen Richtlinien modifiziert werden; eine intensive Ernährungsberatung sollte in Anspruch genommen werden.
Ernährung und Körpergewicht
Insbesondere auch Typ-2-Diabetiker sollten darauf achten, den
BMI (Body Mass Index) von 24,9 (Erwachsener) nicht zu überschreiten, da die Wirkung des Insulins mit steigendem Körpergewicht abnimmt. Bei Übergewicht sollte die Energieaufnahme reduziert und der Energieverbrauch gesteigert werden. Oftmals kann alleine eine Gewichtsreduktion zu einer deutlichen Verbesserung der Blutzuckerwerte führen – bis hin zur Normalisierung. Schon eine moderate Gewichtsabnahme von unter 10 % des Körpergewichts wirkt sich sehr positiv aus.
Auch übergewichtige Typ-1-Diabetiker können insulinresistent werden, so dass auch in diesem Fall eine Gewichtsreduktion angegangen werden sollte.
Die verschiedenen Nahrungsbestandteile bei Diabetes mellitus
Diabetiker sollten sich weitreichende Kenntnisse über die Zusammensetzung und Wirkung der unterschiedlichen Nahrungsmittel auf das Blutglukoseverhalten aneignen.
- Kohlenhydrate: Der Anteil von Kohlenhydraten an der Gesamtaufnahme sollte beim Diabetiker in etwa genauso hoch sein wie beim Gesunden (zwischen 45 und 60 %). Allerdings empfiehlt es sich, als Diabetiker diese Kohlenhydrate auf mehrere Mahlzeiten über den Tag aufgeteilt zu sich zu nehmen, damit starke Blutzuckerschwankungen, Blutzuckerspitzen oder unerwünscht niedrige Werte vermieden werden. Zu bedenken ist auch, dass verschiedene Kohlenhydrate unterschiedlich schnell den Blutzuckerspiegel erhöhen. Zu vermeiden sind Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen (z.B. in zuckerhaltigen Getränken, isolierter Zucker, fettarme Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und Obst). Vollkorngetreideprodukte, Kartoffeln, Kohlenhydrate aus Milch, Gemüse und Hülsenfrüchte sind dagegen zu empfehlen. Die kohlenhydratreichen Nahrungsmittel sollten insbesondere auch dann ballaststoffreich sein und /oder einen niedrigen glykämischen Index aufweisen, wenn der Kohlenhydratanteil an der Gesamtnahrung einen hohen Prozentsatz (Richtung 60 %) ausmacht. Innerhalb der empfohlenen Bandbreite kann die Blutglukoseselbtskontrolle zu der am besten geeigneten Kohlenhydrataufnahme leiten. Der Kohlenhydratgehalt von Lebensmitteln kann mihilfe der Broteinheit (BE) geschätzt werden. Spezielle Kohlenhydrat- oder BE-Austauschtabellen sind erhältlich.
- Ballaststoffe: Die Ballaststoffaufnahme liegt optimalerweise bei mehr als 20g pro 1 000 kcal/Tag, die Hälfte als lösliche Ballaststoffe. Vollkornprodukte sind vorzuziehen.
- Proteine: Diabetiker ohne Anzeichen einer Nephropatie können zwischen 10 und 20 % der Gesamtenergie in Form von Proteinen zu sich nehmen (ca. 60g pro Tag). Bei Vorliegen einer Nephropathie sollte die Proteinzufuhr im unteren Bereich der akzeptablen Bandbreite liegen.
- Fette: Der Fettanteil sollte nicht über 35 % der Gesamtaufnahme liegen, da ansonsten die Gefahr einer Gewichtszunahme besteht und nachteilige Effekte auf die Insulinempfindlichkeit auftreten können. Soll Gewicht bei einem Übergewichtigen reduziert werden, kann eine Fettaufnahme von unter 30 % helfen. Gesättigte Fettsäuren sollten möglichst durch ungesättigte (außer Transfettsäuren) ersetzt werden.
- Glykämischer Index: Kost mit niedrigem glykämischen Index ist vorzuziehen, da sich dies in verschiedenen Bereichen positiv auswirken kann.
- Freie Zucker: In den letzten Jahrzehnten kam es zur Entwicklung eines liberaleren Ansatzes, nach dem eine moderate Aufnahme von freiem Zucker (bis zu 50 g/Tag) auch für Diabetiker in Ordnung ist, wenn die Blutglukosespiegel befriedigend sind. Zu vermeiden sind zuckerhaltige Getränke. Fettreiche Süßigkeiten sind für Diabetiker besser geeignet als fettarme, da die Resorption des Zuckers durch das Fett verlangsamt wird. Die so genannten Zuckeraustauschstoffe (Fruktose, Sorbit) stellen keinen Vorteil für Diabetiker dar.
letzte Aktualisierung: 06.05.2013